zur Navigation springen

SPD-Generalsekretär : Ralf Stegner: Kurs auf Berlin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner könnte nach Berlin gehen. Dem im Land als „roter Küsten-Rambo“ bekannten - und umstrittenen - Politiker winkt das Amt des Generalsekretärs der Bundespartei.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2013 | 08:55 Uhr

Kiel | Noch steht die große Koalition in Berlin nicht, aber die Spekulationen darüber, welchen Kandidaten Union und SPD für welches Ministeramt nominieren könnten, laufen bereits auf Hochtouren. Dabei rückt auch der schleswig-holsteinische SPD-Chef Ralf Stegner immer mehr in den Blickpunkt. In der Fernsehsendung „Pelzig hält sich“ am 15. Oktober meinte Stegner, dass er wohl nicht als Minister geeignet sei. Dazu sei er oft zu direkt und sage unverhohlen seine Meinung. Aber genau deshalb gilt er nicht als Anwärter auf ein Ministeramt, sondern als Kandidat des Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel für den Posten des SPD-Generalsekretärs.

Stegner, der im SPD-Bundesvorstand gewichtiger Vertreter der Parteilinken ist, wird seit Langem eine Nähe zu Gabriel nachgesagt. Zugleich gilt das Verhältnis zwischen dem SPD-Bundesvorsitzenden und seiner amtierenden Generalsekretärin Andrea Nahles als angespannt. Gut möglich, dass Nahles von Gabriel als Ministerin in ein künftiges Berliner Kabinett oder als Fraktionschefin weggelobt wird und dann der Weg für den 54-jährigen Schleswig-Holsteiner frei wäre.

Als Vertreter des linken Parteiflügels der SPD könnte ein designierter Generalsekretär Stegner zudem mithelfen, dass die Parteibasis am Ende der Koalitionsverhandlungen für ein Bündnis mit der Union stimmt. Wäre der derzeitige SPD-Fraktionschef im Kieler Landtag doch für manche Genossen ein Garant dafür, dass sich die Sozialdemokraten in der großen Koalition nicht unterbuttern lassen.

Dass der „rote Küsten-Rambo“ keinem Streit aus dem Weg geht, hat er schließlich in der großen Koalition von 2005 bis 2009 in Kiel bewiesen, als er sich in einen Dauerkonflikt mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen begab. Was Naturell und Schlagkraft angeht, würde Stegner auf jeden Fall gut in die Riege der übrigen „Generäle“ passen: Auch Alexander Dobrindt von der CSU und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ziehen für den Schlagabtausch mit politischen Gegner keine Samthandschuhe an. Mit Stegner, der seit Wochen in allen überregionalen Medien präsent ist und dabei als Klartext-Redner mit scharfem Verstand geschätzt wird, wäre der Norden nach Jahren der Abstinenz wieder personell an vorderer Front auf bundespolitischen Parkett vertreten. Nicht zuletzt Ministerpräsident Torsten Albig wird dies freuen. Er verprellte im Februar 2011, nachdem er aus einem Mitgliederentscheid der Nord-SPD als Spitzenkandidat für die Landtagswahl hervorgegangen war, viele Genossen, weil er seinen Widersacher Ralf Stegner nicht kalt stellte. Jetzt könnte sich die Personalie für ihn auf elegante Weise lösen.

Eine andere Frage ist, wen die 22-köpfige SPD-Landtagsfraktion nach einem Wechsel Stegners zu ihrem neuen Vorsitzenden wählt. Offen aus dem Busch traut sich natürlich niemand. Hinter vorgehaltener Hand fällt am häufigsten der Name des 58-jährigen Bildungsexperten Jürgen Weber. Sein Problem: Als bekennendes Mitglied des Anti-Stegner-Lagers hat er in der Vergangenheit stark polarisiert. Auch die bisher eher farblose Itzehoerin Birgit Herdejürgen wird als Nachfolgerin genannt. Außenseiterchancen werden zudem Serpil Midyatli eingeräumt. Sie sticht aus der sehr „müden“ und wenig profiliert wirkenden Fraktion mit ihrem Temperament und Engagement sowie guten Reden hervor.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen