Neuer Vorfall : Polizeischule in Eutin: Anwärter betrunken im Dienst

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In der Polizeischule Eutin wird gegen Beamte ermittelt. /Archiv
In der Polizeischule Eutin wird gegen Beamte ermittelt. /Archiv

Neuer Ärger: Ein Anwärter erscheint betrunken zum Dienst und in einer Unterkunft prangte ein „vulgärer“ Schriftzug.

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03. März 2018, 19:47 Uhr

Die Polizeischule in Eutin hat in den vergangenen Jahren für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Es ging um Sexismus, Rassismus – und immer wieder auch um Entgleisungen im Alkoholrausch. Jetzt ist ein Anwärter betrunken zum Dienst erschienen. Und in einer Unterkunft prangte ein Schriftzug mit „vulgär-beleidigendem Inhalt“, wie die Landespolizei mitteilte.

Es passierte nach einem Begrüßungsfest, das von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für die neuen Anwärter organisiert worden war. Torge Stelck, Sprecher im Landespolizeiamt: „Am nächsten Morgen ist bei einem Auszubildenden zu Dienstbeginn Atemalkohol festgestellt worden.“ Der Anwärter, der zu einem älteren Jahrgang gehört, soll bereits in den Stunden zuvor aufgefallen sein, weil er so betrunken war. Nach sh:z-Informationen wurde deshalb der Betreuungsbeamte angerufen, der sich außerhalb der Dienstzeiten um die Anwärter kümmert.

Der Schriftzug, bei dem es um sexuelle Wünsche geht, und dem ein konkreter Name beigefügt wurde, stand auf dem Whiteboard im Flur einer Unterkunft. „Aufgrund des Schriftzugs ist ein Strafverfahren wegen Beleidigung gegen den oder die noch unbekannten Täter eingeleitet worden“, erklärte Stelck.

Patrick Breyer, Innenexperte der Piratenpartei, hatte die Leitung der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung im Vorwege für die Ausrichtung des traditionellen Festes scharf kritisiert: Er sei ein „betreutes Trinken in den Liegenschaften der Polizeischule“. Dort und bei der Gewerkschaft herrscht nun dicke Luft– weil trotz allen Ringens um einen Neubeginn nicht einmal ein kleines Fest ohne Ärger abläuft. Dabei waren die Anwärter vor der Feier ermahnt worden. Zudem seien nur Biermix-Getränke ausgeschenkt worden, wie GdP-Landesvorsitzender Torsten Jäger bestätigt.

Laut Breyer ist in jüngster Zeit bereits sieben Polizeianwärtern Dienst unter dem Einfluss von Restalkohol vorgeworfen worden. Zu dem aktuellen Fall erklärte der Pirat: „Für die chronischen Alkoholprobleme in der Polizeiausbildung ist die Ignoranz von Polizeiführung und Innenministerium verantwortlich.“ Das „betreute Trinken“, das seine Partei erfolglos angeprangert hätte, habe einen neuerlichen Skandal geradezu provoziert. „Warum musste das Vertrauen in die Polizei erst weiter erschüttert werden, bevor jetzt hoffentlich endlich Gewerkschaftsfeiern vom Ausbildungsgelände verbannt werden?“

Wegen der Vorfälle laufen dienst- und strafrechtliche Prüfungen. Die GdP will die weitere Aufklärung unterstützen. „Um neue Regelungen für das Fest zu finden, ist es noch zu früh“, sagte GdP-Chef Jäger. Ein Alkoholverbot bei der Veranstaltung, die außerdienstlich ist, hält er für wenig sinnvoll. „Wir wissen, dass der Alkohol dann anderweitig organisiert und auf den Stuben getrunken wird.

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