Umweltverschmutzung bei Schleswig : Plastik aus Kläranlage in der Schlei: „Das ist ein Skandal“

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Die Schleswiger Kläranlage:  Von hier aus gelangte das Plastik in die Schlei.
Die Schleswiger Kläranlage: Von hier aus gelangte das Plastik in die Schlei.

Umweltminister Robert Habeck will die unzureichende Filtertechnik verbieten und verspricht, offene Fragen zu klären.

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Kay Müller von
22. März 2018, 11:49 Uhr

Kiel | Dass er Schwarz trägt, ist Zufall. Doch Umweltminister Robert Habeck (Grüne) dürfte sich am Mittwochabend auch eher dunkel gefühlt haben, als er ans Rednerpult des Landtags tritt, um die Abgeordneten darüber zu informieren, wie über lange Zeit massenhaft Plastik aus einer Kläranlage in Schleswig in die Schlei gelangen konnte. Vor allem am Ende findet er dazu deutliche Worte: „Das ist ein Skandal“, sagt Habeck. Und: „Diese Technik werden wir untersagen. Ich werde das mit in die nächste Umweltministerkonferenz nehmen.“

Ein Video zeigt, wie das Ausmaß der Verschmutzung ermittelt werden soll:

 

Was diese Technik ist, die Habeck auf Bundesebene verbieten lassen will, hat der Minister zuvor erläutert. Im Faulturm, in dem im Schleswiger Klärwerk Biogas entsteht, wurden seit Jahren in Plastik verpackte Lebensmittel angeliefert, die geschreddert wurden. Später wurde das entstehende Abwasser durch Sandfilter gedrückt, dadurch sollten Plastikteile herausgefiltert werden. „Darauf haben die Stadtwerke offenbar vertraut, das ist aber offensichtlich nicht geschehen – das Plastik blieb drin und zwar bis zu 240 Liter pro Tag“, sagt Habeck.

 

Über welchen Zeitraum das passiert ist, das sagt Habeck nicht. Allerdings, dass es Kontrollen gegeben habe, bei denen das nicht aufgefallen sei, was den Minister sichtlich selbst verwundert. Nun werde sein Haus die Vorfälle prüfen und schließlich ermittle auch die Staatsanwaltschaft.

Für die Abgeordneten bleiben Fragen, vor allem für Sandra Redmann (SPD), die den Bericht des Ministers angefordert hat. „Es geht uns nicht um Schuldzuweisungen“, sagt sie, fordert aber eine lückenlose Aufklärung. Das wollen auch andere Parlamentarier. „Warum hat das niemand früher entdeckt?“, will Heiner Rickers (CDU)  wissen. Er fordert: „Wer auch immer für diese Sauerei verantwortlich ist, sollte zumindest für die Beseitigungskosten herangezogen werden.“ Volker Schnurrbusch (AfD) will, dass weniger Plastik produziert wird, und Flemming Meyer (SSW) fordert einen bessern Wasserschutz für die Schlei.

Dann tritt Habeck noch einmal ans Mikro, sagt, dass sein Haus wisse, dass die Schreddertechnik auch in „wenigen anderen Faultürmen“ angewendet werde und in geringem Maße Plastik auf Feldern gefunden worden sei. Die Vorfälle würden weiter geprüft. Noch einmal sagt er, dass diese Technik legal sei – aber er sagt auch: „Lebensmittel erst verpacken, sie dann zu schreddern, in der Hoffnung am Ende wieder alles rauszufiltern, das ist skandalös, das ist eine perverse Praxis – und damit sollten wir aufhören.“

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