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Einsatz von Pflanzenschutzmitteln : Pestizide belasten Grundwasser in SH

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An 144 Messstellen wurden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Minister Habeck sorgt sich um das Trinkwasser.

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2015 | 06:32 Uhr

Kiel/Rendsburg | Das Grundwasser in Schleswig-Holstein ist in erheblichem Ausmaß durch Pestizide belastet. Dies belegen neueste Analyseergebnisse des Kieler Umweltministeriums. Demnach wurden in den Jahren 2010 bis 2014 einmalig oder auch wiederkehrend 387 Grundwassermessstellen auf Pflanzenschutzmittel sowie deren Abbaustoffe untersucht. An 144 dieser Messstellen wurde zumindest einer dieser Stoffe nachgewiesen.

Pflanzenschutzmittel und toxische Abbaustoffe wurden demnach an 66 dieser Messstellen gefunden. Oberhalb des Grenzwertes der Grundwasserverordnung von 0,1 Mikrogramm pro Liter liegen davon 18 Messwerte.

Als nicht gesundheitsgefährdend geltende Abbaustoffe wurden an 109 Messstellen gefunden, neun Messwerte überschritten den gesundheitlichen Orientierungswert von ein beziehungsweise drei Mikrogramm pro Liter.

 

„Die Ergebnisse sind beunruhigend“, sagte Umweltminister Robert Habeck. „Pflanzenschutzmittel finden den Weg durch die Böden in unser Grundwasser – und zwar in einem durchaus relevanten Ausmaß. Da haben sie allerdings nichts zu suchen.“ Schleswig-Holstein beziehe sein Trinkwasser zu 100 Prozent aus dem Grundwasser. „Diese Ressource darf nicht gefährdet werden“, so Habeck. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müsse verringert werden. Entsprechend werde die Regierung politisch vorgehen. „Eine Gebühr auf die Verwendung für Pflanzenschutzmittel könnte den Einsatz reduzieren. Wir untersuchen derzeit mögliche Modelle.“

Unser höchstes Gut Wasser sollte frei von jeglichen Belastungen sein, sagt Godber Andresen, Biologe beim Landesverband der Wasser- und Bodenverbände. „Die Sünden der Vergangenheit kann man nicht zurückdrehen. Aber man muss sich in Zukunft verstärkt Gedanken darüber machen, welche Stoffe eingesetzt werden, welche schnell genug abgebaut werden können, bevor sie ins Grundwasser gelangen.“

Nach seiner Kenntnis gebe es mit dem Trinkwasser „großflächig kein Problem“, kontert Sönke Schmidt, Pflanzenbaureferent beim Bauernverband. „Die heutigen Pflanzenschutzmittel sind im übrigen alle regulär zugelassen, und es gibt bereits strenge Auflagen, wann und wo sie in welcher Menge eingesetzt werden.“

Dies betont auch der agrar- und umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Heiner Rickers. Er sieht zudem ein Problem in den Messwerten: „Wenn man aktuelle Belastungen darstellen möchte, dann muss man bei dem, was gefördert wird, ansetzen, und es müssten aus den oberen Bodenschichten Proben entnommen werden.“

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