Bertelsmann-Ländermonitor : Personalschlüssel an den Krippen in SH verbessert sich

Der Hamburger Verein Wabe drängt jetzt auch in den Norden des Kreises Pinneberg. In Elmshorn und in der Nachbargemeinde Kölln-Reisiek sollen jeweils Kindertagestätten gebaut und betrieben werden.
Eine Umsetzung der Expertenempfehlungen würde das Land fast 100 Millionen Euro kosten.

Es wird besser, aber es reicht noch nicht: So schätzt die Stiftung die Personalsituation an Krippen und Kitas in SH ein.

shz.de von
28. August 2018, 07:11 Uhr

Gütersloh/Hamburg | Der Personalschlüssel an den Krippen in Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenen Jahren etwas verbessert. Zum 1. März 2017 betreute eine Fachkraft rechnerisch 3,7 Kinder, nachdem es fünf Jahre zuvor 4,0 Mädchen und Jungen waren. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung zur frühkindlichen Bildung hervor.

In Schleswig-Holstein werden immer mehr Kinder unter drei Jahren in Krippen oder von Tagesmüttern oder Tagesvätern betreut. Insgesamt 25.648 Kleinkinder seien es im März gewesen, teilte das Statistikamt Nord in Hamburg mit. Das waren sieben Prozent mehr als noch vor einem Jahr und 45 Prozent mehr als vor fünf Jahren. 76 Prozent der Kinder gingen in eine Kita, 24 Prozent ausschließlich zu einer Tagesmutter beziehungsweise zu einem Tagesvater. Von allen betreuten Kleinkindern wurden – wie im Vorjahr – 45 Prozent durchgehend mehr als sieben Stunden pro Betreuungstag versorgt. 2013 hatte diese Quote noch bei 40 Prozent gelegen.

In den Kindergärten in Schleswig-Holstein hat sich laut Ländermonitor der Personalschlüssel von 1:9,1 auf 1:8,4 verbessert. Spitzenreiter in Deutschland ist Baden-Württemberg mit 1:3,1 in den Krippen und 1:7,1 in den Kitas. Schlusslichter sind Sachsen mit 1:6,4 beziehungsweise Mecklenburg-Vorpommern mit 1:13,4.

Bei den Kitas schwankt in Schleswig-Holstein der Personalschlüssel zwischen 1:7,2 in Dithmarschen und 1:9,7 in Nordfriesland. In den Krippen steht Dithmarschen mit einer Fachkraft für 3,3 Kinder am günstigsten da und Neumünster mit einer für 4,1 Mädchen und Jungen am ungünstigsten.

Die Stiftung kommt zu dem Schluss, dass der Norden beim Personal zulegen muss. Erforderlich wären zusätzlich 1580 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte. Das würde 72 Millionen Euro jährlich kosten. Um überall professionelles Leitungspersonal zu gewährleisten, würden 373 Vollzeitstellen benötigt, für 21 Millionen Euro im Jahr.

Deutlich gestiegen ist im Norden der Anteil der Kitas mit Personalressourcen für die Leitung der Einrichtung. 2014 gaben 28 Prozent der Kitas an, keine Zeit für Leitungsaufgaben zu haben. 2017 noch 13 Prozent. Zudem besaßen in Schleswig-Holstein von allen Flächenländern die meisten Kitas (29 Prozent, ohne Horte) eine angemessene Leitungsausstattung, die den Empfehlungen der Stiftung entspricht. Im Bundesschnitt waren es 16 Prozent.

„Bund und Länder sollten sich in den anstehenden Verhandlungen zum Gute-Kita-Gesetz auf eine Verbesserung der Personalschlüssel und Leitungsausstattung konzentrieren“, sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Leider gebe es keine Bestrebungen, bundesweit einheitliche Qualitätsstandards für Kitas festzulegen. Dabei könnten nur diese gleiche Bildungschancen für alle Kinder und faire Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte unabhängig vom Wohnort sicherstellen.

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