Bildungspolitik in SH : Personalnot an Grundschulen: Prien will Gymnasiallehrer abordnen

Vor allem am Schulzentrum Nord und der Grundschule Rübekamp besteht laut der CDU Bedarf.
34 Grundschullehrerstellen sind in Schleswig-Holstein aktuell gar nicht besetzt.

Rund 450 Planstellen sind nur übergangsweise mit Vertretungslehrern besetzt. Nicht immer haben die das 2. Staatsexamen.

fju_maj_0203 von
21. Februar 2019, 20:36 Uhr

Der Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat, hat ein „Alarm-System“ gefordert, wenn der Anteil nicht voll ausgebildeter Vertretungs-Lehrkräfte an einer Grundschule die Marke von 50 Prozent überschreitet. Das Bildungsministerium müsse in solchen Fällen kurzfristig Sondermaßnahmen ergreifen, verlangte Habersaat im Bildungsausschuss des Landtags.

Den Namen wollte der Sozialdemokrat nicht nennen, um die Schule öffentlich nicht bloßzustellen – er beteuerte jedoch, eine Grundschule zu kennen, „in der nur der Sportlehrer einen vollständigen Abschluss hat“.

Unterricht durch Improvisation

Auch wenn Bildungsministerin Karin Prien nach eigenen Angaben keine Daten hat, wie groß der Anteil nicht fertiger Lehrkräfte an einzelnen Standorten ist, so räumte sie vor dem Ausschuss doch ein: „Die Situation an manchen Grundschulen in manchen Regionen ist schwierig.“ So hatten unlängst Presseberichte aus Brunsbüttel und Oldenburg gezeigt, dass der Unterrichtsbetrieb dort wegen Personalmangels nur noch mit Improvisieren aufrecht erhalten werden kann.

Überhaupt nicht besetzt sind laut Prien 15 unbefristete und 19 befristete Grundschullehrerstellen im Land. An Vertretungslehrkräften macht die Ministerin in den Klassen 1 bis 4 „eine beträchtliche Anzahl“ aus: 451 von 5263 Planstellen und damit 8,6 Prozent sind auf diese Weise nur übergangsweise besetzt. „Nicht immer“ hätten die Vertreter schon das 2. Staatsexamen. Oft überbrücken sie ihre Wartezeit zwischen dem 1. Examen und dem Vorbereitungsdienst (einst: Referendariat). Teils wird auch auf Seiteneinsteiger aus anderen Berufen zurückgegriffen. Prien gestand zu: Der Durchschnitt von 8,6 Prozent sage nichts über die Lage an einzelnen Standorten aus.

Wechsel von Gymnasium auf Grundschule

Die CDU-Politikerin erhofft sich, die angespannte Lage an einigen Grundschulen durch die freiwillige Abordnung von Gymnasiallehrern abzumildern. Auch möchte sie den dauerhaften Wechsel vom Gymnasium auf eine Grundschule erleichtern. Zugleich überlegt Prien, in Regionen, die bei bei jungen Leuten wenig beliebt seien, Lehrern im Vorbereitungsdienst einen Zuschlag zu zahlen. Immerhin, so Prien, sei es gelungen, zum zweiten Halbjahr am 1. Februar sämtliche 140 Plätze für den Vorbereitungsdienst an Grundschulen zu besetzen. Mit insgesamt 545 neuen Referendaren an allen Schularten verzeichne das Land die höchste Zahl aller Zeiten.

Und ein formelles „Alarm-System“? Das hält die Ministerin für überflüssig. Sie will in Notlagen auf Zuruf eingreifen und sagte zu Habersaat: „Ich kümmere mich um jede einzelne Schule, von der Ihnen Probleme zugetragen werden.“

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