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Universitäten Kiel und Flensburg : Opposition: Wende muss Gesetz zur Lehrerausbildung zurückziehen

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Der Streit um die geplante Reform der Lehrerausbildung im Norden und das Verhalten von Wissenschaftsministerin Wende eskaliert. CDU und FDP fordern notfalls ein Machtwort von Ministerpräsident Albig, den umstrittenen Gesetzentwurf Wendes erst einmal zu stoppen.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 19:57 Uhr

Kiel | Die oppositionelle CDU- und FDP-Landtagsfraktionen haben Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) aufgefordert, ihren umstrittenen Gesetzentwurf zur Lehrkräfteausbildung zurückzuziehen. „Wende muss die Notbremse ziehen“, forderten CDU-Fraktionschef Johannes Callsen und der Bildungsexperte Daniel Günther am Mittwoch in Kiel. Wenn Wende nicht dazu bereit sei, seien Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und die Regierungsfraktionen SPD, Grüne und SSW gefordert. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Christopher Vogt ergänzte, Albig solle schnellstmöglich für das Rückziehen des Gesetzentwurf sorgen.

Der Kieler Uni-Präsident Gerhard Fouquet hatte Wende am Dienstag vorgehalten, 2013 getroffene Absprachen zwischen dem Ministerium und den Universitäten Kiel und Flensburg zur künftigen Aufteilung der universitären Lehrerausbildung nicht eingehalten zu haben - jetzt zugunsten der Uni in Flensburg.

Die Entscheidung, an der Universität Flensburg in erheblichem Umfang den Fächerkanon zu erweitern und in Millionenhöhe Infrastrukturen in den Naturwissenschaften auszubauen, sei nicht mit der Uni Kiel abgestimmt gewesen, hatte Fouquet erklärt und der Ministerin vorgehalten, den bisherigen Konsens aufgekündigt zu haben.

Wende will an der Universität Flensburg künftig in mindestens 13 Fächern ein Studium für die Sekundarstufe II (Klasse elf bis 13) anbieten „Über diese Planungen waren wir nicht informiert“, kritisierte Fouquet. Bislang sei immer die Rede von sieben Fächern gewesen, eventuell etwas mehr. „Eine solche Größenordnung aber werten wir als Versuch, die Existenzfähigkeit unserer Volluniversität auszuhöhlen“, so Fouquet weiter.

Das Lehramtsstudium in Schleswig-Holstein wird vom kommenden Wintersemester an neu aufgestellt. Künftig können sich Studierende zu reinen Grundschullehrern oder zu Sekundarlehrern ausbilden lassen, die sowohl an Gymnasien als auch Gemeinschaftschulen die Klassen 5 bis 13 unterrichten können. In der kommenden Woche wird der Gesetzentwurf in erster Lesung im Landtag beraten. Das Gesetz soll im August in Kraft treten. Zum Wintersemester 2014/15 soll die neue Lehrkräftebildung starten.

Ministerin Wende hatte sich von der Kritik überrascht gezeigt. Sie habe Fouquet am vergangenen Donnerstag über alles vorab informiert, hatte das Ministerium am Dienstag mitgeteilt. Der Kieler Uni-Präsident habe bei dem Gespräch nicht erkennen lassen, dass er Probleme sehe.

Die Kieler Christian Albrechts-Universität (CAU) reagierte am Mittwoch mit einer Solidaritätserklärung für ihren Präsidenten: „Die CAU wird nichts tun, was die Glaubwürdigkeit von Professor Fouquet in Frage stellt, und auch nicht zulassen, dass diese in Frage gestellt wird. Die neuen Informationen sind seitens der Ministerin nicht so kommuniziert worden, dass die Information wahrnehmbar gewesen wäre.“ Die CAU erwarte, dass die Vereinbarungen aus dem Eckpunktepapier vom September 2013 umgesetzt werden.

Zur Forderung nach Änderungen an dem Gesetzentwurf sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch lediglich, der Gesetzentwurf befinde sich jetzt im parlamentarischen Beratungsprozess.

Der hochschulpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Christopher Vogt, hielt der Ministerin vor, „mit ihrem unfassbar dilettantisch-dreisten Vorgehen (...) massiv Vertrauen bei der Kieler Universität, aber auch gegenüber den Abgeordneten des Landtages, zerstört“ zu haben. Es sei beispiellos, wenn die Ministerin erst nach der abschließenden Kabinettsbefassung an den Kieler Universitätspräsidenten herantrete, „um ihn über die einseitige Aufkündigung der glasklaren Vereinbarung vom vergangenen September in Kenntnis zu setzen“.

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