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Streit um Jagd-Munition : Online-Petition: Carstensen will mit Blei schießen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schleswig-Holstein will Bleimunition bei der Jagd auf Wild zum 1. April 2015 verbieten. Peter Harry Carstensen geht das zu schnell. „Wild, das in der bisherigen Praxis mit der neuen bleifreien Munition beschossen wird, leidet länger“, sagt er.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2014 | 10:00 Uhr

Kiel | Wenn der ehemalige CDU-Ministerpräsident scharf schießt, dann will er Leiden ausschließen. Peter Harry Carstensen (67) hat sich mit einer Online-Petition in die Diskussion um bleifreie Munition eingeschaltet. Er fordert, dass bei Jagden bleihaltige Munition weiterhin und übergangsweise eingesetzt wird. Und zwar so lange, bis bleifreie Geschosse so weit entwickelt sind, dass sie Wildtiere auch sicher und sofort töten. Dies sei aber bislang nicht der Fall: „Wild, das in der bisherigen Praxis mit der neuen bleifreien Munition beschossen wird, flüchtet länger und ausgiebiger“, begründet Carstensen seine Petition. „Es leidet länger.“

Der 67-Jährige ist Mitglied des Landesjagdverbandes. Dessen Geschäftsführer Andreas Schober (46) sagt: „Gute und schlechte Munition gibt es in beiden Kategorien.“ Grundsätzlich aber pflichtet er dem ehemaligen Landeschef bei. Geschosse aus dem weichen Metall Blei deformieren beim Auftreffen auf einen Körper stärker. „Die Energieabgabe ist größer, der Tod des Tieres tritt unmittelbar ein.“ Anders bei bleifreier Munition aus Kupfer oder dem noch härteren Messing. „Die Gefahr eines Durchschusses ohne sofortige Tötungswirkung ist größer.“

Jäger hätten berichtet, dass bleifrei beschossenes Wild trotz erheblicher Verletzungen länger lebt und sich unnötig quält, ergänzt Carstensen. „Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.“ Sein Fazit: Solange nicht gewährleistet sei, dass geschossene Tiere sofort tot sind, „darf eine ausschließliche Verwendung von bleifreier Munition, wie sie in den Staatsforsten vieler Bundesländer Praxis ist, nicht geduldet werden“. Carstensen fordert „zertifizierte Munition“.

Die oberste Jagdbehörde, das Umweltministerium in Kiel, reagiert verwundert. In Schleswig-Holstein seien nach dem Bundesjagdgesetz „im Interesse des Tierschutzes bestimmte Kalibergrößen und Auftreff-Energien vorgeschrieben“. Dies sei eine Art von „Zertifizierung“, so Sprecherin Kirsten Wegner. Das Land will Bleimunition bei der Jagd auf Wild zum 1. April 2015 verbieten. In den Landesforsten sowie in einigen anderen Jagdbetrieben sei die Verwendung bleihaltiger Büchsenmunition durch interne Anordnung bereits seit einem Jahr untersagt. „Negative Vorfälle im Hinblick auf die Tierschutzgerechtigkeit der bleifreien Munition hat es im zurückliegenden Jahr nicht gegeben.

Dies bestätigt Steffen Ahnert (57), zuständig für die Jagd und die Wildvermarktung in den Landesforsten: „Bei uns hat noch niemand schlechte Erfahrungen gemacht.“ Es komme stets auf einen sauberen Schuss an. „Wenn mit bleifreier Munition sauber getroffen wird, dann rolliert auch ein Wildschwein wie ein Hase.“

Blei wird in der Jagd bereits seit langem kritisch beäugt. So sei das Land 1999 in Deutschland Vorreiter beim Verbot von bleihaltiger Schrotmunition bei der Jagd auf Wasserwild gewesen, so die Ministeriumssprecherin. Bundesweit gilt jetzt der Trend zum Verbot von bleihaltiger Büchsenmunition als ausgemacht. So habe auch die CDU-geführte Landesregierung des Saarlandes per Gesetz vom 19. März ein derartiges Verbot umgesetzt.

Das Verbot von Bleimunition mache auch wegen des Verbraucherschutzes Sinn. „Kunden fragen kritisch nach, ob das Wild bleifrei geschossen wurde“, bestätigt Ahnert. Laut Umweltministerium gehören Bleivergiftungen durch Jagdmunition zu den häufigsten Todesursachen für Seeadler.

Peter Harry Carstensen kennt die Diskussion. Es sei ihm egal, mit welcher Munition geschossen werde, sagte er unserer Zeitung. „Hauptsache, die Tiere leiden nicht.“

Am Freitag meldete sich auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) zu Wort. „Carstensen hinkt der Debatte um mehrere Jahre hinterher“, sagte Habeck. „Bleifreie Munition hat sich bewährt. Tausende Jäger nutzen sie - in fast allen Landesforsten, in den Bundesforsten und in den lauenburgischen Kreisforsten.“
 

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