EU-Kommission : Nur EU-Saatkörner sollen in den Garten

Neben Landwirten sollen künftig auch Kleingärtner nur noch zugelassenes Saatgut verwenden dürfen. Foto: dpa
Neben Landwirten sollen künftig auch Kleingärtner nur noch zugelassenes Saatgut verwenden dürfen. Foto: dpa

Der eigene Garten wird immer beliebter. Doch schon bald könnte es mit der Vielfalt in den heimischen Beeten vorbei sein. Der Grund ist eine geplante Verordnung der EU-Kommission, die regelt, welches Saatgut verwendet werden darf.

shz.de von
25. April 2013, 07:46 Uhr

Kiel | Gibt es bald eine Saatgutpolizei, die in Kleingärten auf Streife geht? Am 6. Mai wird die EU-Kommission eine neue Saatgutverordnung vorlegen. Neben Landwirten sollen künftig auch Kleingärtner nur noch zugelassenes Saatgut verwenden dürfen. Der Anbau anderer Sorten könnte strafbar werden, warnen europaweit Umweltverbände - selbst wenn er im privaten Garten erfolge. Sogar der Tausch oder das Verschenken soll verboten werden.

"Ich war erschrocken, als ich von den Plänen gehört habe", sagt Thomas Kleinworth, Gartenfachberater beim Landesverband der Kleingärtner: "Dem Kleingärtner geht es doch um Vielfalt und Kreativität, er will aus dem Artenreichtum schöpfen." Der eigene Garten werde seit Jahren immer beliebter, eben weil Obst- und Gemüsesorten angebaut werden könnten, die es im Handel nicht gebe. "Viele junge Leute richten sich Pflück- und Naschgärten ein, achten auf den ökologischen Anbau." Allergiker schwören auf kaum noch bekannten Apfelsorten. "Das alles wäre nicht mehr möglich."

"Das ist doch gar nicht umsetzbar"

Auch Verbraucher- und Umweltschützer fürchten, dass es seltene und alte Sorten bald nicht mehr geben wird. "Sie haben kaum Chancen auf eine Zulassung, da sie die EU-Vorgaben nicht einhalten", sagt Iga Niznik vom Umweltverband Arche Noah. Zudem sei vielen Züchtern die Zulassung zu teuer. Von den momentan rund 6500 Saatgut-Sorten für Getreide, Obst und Gemüse werden 5000 betroffen sein, so die Schätzung. "Damit bestimmen die Konzerne, was angebaut werden darf und auf den Teller kommt." Im Kieler Umweltministerium teilt man diesen Pessimismus nicht. "Ziel ist es, nur hochwertiges Saatgut in den Handel zu lassen", sagt Sprecherin Nicola Kabel. Für seltene und alte Sorten seien erleichterte Zulassungen oder sogar ein Verzicht darauf zu erwarten.

Gartenfachberater Kleinworth möchte wissen, "wer all die Kleingärtner beim Tausch ihrer Saaten überwachen will. Das ist doch gar nicht umsetzbar." Aus dem Ministerium heißt es: "Die Kontrolle erfolgt im Handel." Es würden aber bereits auch Saatgut-Inspektoren zentral ausgebildet, vermeldet die Organisation "Saatgutkampagne.org", die mit einer Petition gegen das neue Saatgutverkehrsrecht kämpft. Die "europäische Saatgutpolizei" ziele allerdings auf Landwirte ab.

Was die Kleingärtner angeht, hat sich am Mittwoch Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) eingeschaltet. "Es darf nicht soweit kommen, dass Privatgärtner für ein paar Samenkörnchen eine amtliche Zulassung vorzulegen haben", kritisierte sie die EU-Pläne und fordert: "Kleine Züchter müssen von der Zulassungspflicht befreit werden."

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