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Parteitag in Neumünster : Nord-CDU stellt sich hinter Parteichef Ingbert Liebing

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Ingbert Liebing wurde im September zum Spitzenkandidaten nominiert. Doch an der Entscheidung gab es zuletzt Zweifel.

Neumünster | Mit demonstrativer Geschlossenheit hat die schleswig-holsteinische CDU ihrem Landesvorsitzenden Ingbert Liebing den Weg zur Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2017 gebahnt. Auf einem Parteitag in Neumünster reagierten die Delegierten am Samstag fast zwei Minuten lang stehend mit Applaus auf Liebings dreiviertelstündige Rede. Liebing (52) schaffte damit nach Ansicht führender Christdemokraten einen Durchbruch. Die CDU wählt den Spitzenkandidaten mit der Aufstellung der Landesliste am 11. Juni 2016.

Liebing war im September vom erweiterten Landesvorstand einstimmig zum Spitzenkandidaten nominiert worden. Als unglücklich empfundene Auftritte und Äußerungen ließen in der Partei aber Zweifel daran aufkommen, ob der Bundestagsabgeordnete tatsächlich der am besten geeignete Herausforderer von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ist. Die Zweifel konnte Liebing auch mit seiner Rede nicht bei allen ausräumen, aber das Thema Spitzenkandidatur gilt in der CDU jetzt als „durch“.

„Wir wollen wieder Verantwortung für unser Land übernehmen“, betonte Liebing und bekundete zugleich seinen Führungsanspruch: „Ich will Verantwortung für unser Land übernehmen“. Er widersprach Ansichten, es gäbe einen Wettlauf zwischen ihm und Landtagsfraktionschef Daniel Günther. Dieser bescheinigte Liebing eine hervorragende Rede und stellte sich mit ihm zum Schulterschluss-Foto auf die Bühne. Die CDU stehe klar hinter ihm als Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten, sagte Günther. Ziel sei es, dass künftig eine starke CDU mit Liebing als Ministerpräsident das Land regiert.

Liebing sei nett, sagen Kritiker in der Partei, aber ihm fehlten Persönlichkeit und Authentisches, auch das Emotionale. Er wirke verkrampft und zuweilen wie sein eigener Pressesprecher, und er sollte sich besser abstimmen mit Fraktionschef Günther, der in dieser Rolle zunehmend auch parteiübergreifend respektiert wird.

Günthers Rhetorik kam auch auf dem Parteitag besser an. Liebings Redemotto hieß „Mit Sicherheit in Schleswig-Holstein“, das von Günther „Herausforderungen anpacken. Handeln statt reden“. Die aktuelle Landesregierung habe keinen Kompass, sagte Günther. Einen Seitenhieb verpasste er dem Grünen Umweltminister Robert Habeck, der Spitzenkandidat seiner Partei zur Bundestagswahl werden will: „Hobbyphilosoph aus Angeln“ nannte er ihn.

Die CDU habe keine Chance die Wahl zu gewinnen, wenn sie sich nicht um die Städte kümmere, sagte Günther auch. „Deshalb müssen wir das Lebensgefühl dort ansprechen.“ Liebing bescheinigte der Regierung eine unglaublich schlechte und marode Politik.

„Ich spüre großen Rückhalt in der Partei, nicht nur hier auf dem Parteitag“, sagte Liebing der Deutschen Presse-Agentur zur Reaktion auf seine Rede. Die CDU sehe eine große Chance auf einen Wechsel 2017.

„Er hat es geschafft, die Erwartungen zu erfüllen“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Hans-Jörn Arp, zu Liebings Rede. „Manchmal muss man über den Kampf zum Spiel finden“, meinte der Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul, ehemaliger Ex-Landes- und Fraktionsvorsitzender. Dies habe Liebing geschafft. „Er hat auch die Parteiseele berührt; das ist wichtig“, befand der Landtagsabgeordnete Heiner Rickers.

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erstellt am 21.Nov.2015 | 12:36 Uhr

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