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Windkraftanlagen : Noch kein Schallschutz für Schweinswale

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Umweltminister Peter Altmeier will die Schweinswale schützen - mit einem Lärmschutzkonzept beim Bau von Windparks im Meer. Die Küstenländer sperren sich gegen den Entwurf.

Kiel/Berlin | Rund 55.000 Schweinswale leben in der deutschen Nordsee. Bis vor vier Jahren war das Meer zumindest abseits der Schifffahrtsrouten noch ein recht leises Zuhause für die gefährdeten Tiere. Doch seit der Bau von Windparks im Meer begonnen hat, ist das anders: Mit einem Lärm von bis zu 200 Dezibel rammen die Parkbetreiber die Pfähle für ihre Anlagen in den Boden - ein startender Düsenjäger verursacht nur 120 Dezibel. Für die empfindlichen Wale ist das nicht nur eine Qual, sondern auch eine Gefahr für ihr Leben: Weil Krach ihr Orientierungssystem schädigt, drohen sie sich zu verirren und am Strand zu verenden.
Daher will Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) jetzt mehr für die Meeressäuger tun und ein Schallschutzkonzept für den Bau von Offshore-Windparks in Kraft setzen. Die Pläne hat er im Lauf von zwei Jahren nach vielen Gesprächen mit Ländern, Naturschützern und Wirtschaftsverbänden entworfen. Zwar gibt es bereits Regeln gegen den Krach - doch die reichen nach Altmaiers Ansicht nicht aus. Unter anderem soll deshalb künftig die bisher nicht rechtssichere Lärmbegrenzung auf 160 Dezibel an den Meeresbaustellen verbindlich werden. Zudem sind in einem Umkreis von acht Kilometern besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Und: Insgesamt darf nur ein Zehntel der Schweinswal-Gebiete und im Sommer nur ein Hundertstel des besonderen Schweinswal-Schutzgebiets nordwestlich von Sylt gestört werden. In der Nähe bauen Vattenfall und die Stadtwerke München gerade den Park "Dan Tysk".

Der Windkraft-Lobby gehen die Pläne zu weit

Am Montag dieser Woche wollte Altmaier das Schutzkonzept bei einem Branchentreffen in Hamburg präsentieren. Doch daraus ist nichts geworden - weil die Pläne der Windkraft-Lobby zu weit gehen. Es sei "sehr problematisch, mit einem Konzept in die Öffentlichkeit zu gehen, das unausgereift zu bewerten ist", schreibt Jörg Kuhbier, Chef der Stiftung Offshore-Windenergie, in etwas holprigem Deutsch an - nein, nicht Altmaier, sondern die Umwelt- und Wirtschaftsminister der norddeutschen Küstenländer. Kuhbier fordert sie in einem Brief vom 18. Juli auf, "das Bundesumweltministerium dringend um eine Überarbeitung des Konzepts zu bitten". Sonst würden "erhebliche Hürden und schwerwiegende wirtschaftliche Risiken für künftige Projekte erzeugt".
Das sehen die Länder nun offenbar auch so. "Das Konzept muss noch weiter mit den Ländern verhandelt werden", räumt ein Sprecher Altmaiers ein. Daher wurde die Präsentation am Montag abgesagt. Vor allem Hamburg und Niedersachsen setzen sich für die Offshore-Branche ein, die in beiden Ländern stark vertreten ist. Doch auch Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck, eigentlich ein Befürworter des Schutzkonzepts, hat jetzt Zweifel an Altmaiers Plänen für die bedrohten Schweinswale angemeldet: "Das Konzept enthält Ansatzpunkte für den notwendigen Schutz, aber einzelne Fragen sind noch zu diskutieren", sagt er. Welche Fragen - das verrät er nicht. Noch deutlicher kritisiert der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) die Pläne von Altmaier: "Die industriepolitischen Belange kommen zu kurz", sagt er.
Allerdings hat Altmaiers Konzept auch aus Sicht der Naturschützer ein paar Nachteile. Zwar nennt etwa Kim Detloff vom Naturschutzverband Nabu die Pläne "einen vertretbaren Kompromiss". Doch unter anderem stört ihn, dass das Schutzkonzept nur für neue Windparks, nicht aber für bereits genehmigte gelten soll. Daher können beispielsweise die Betreiber von "Dan Tysk" ungerührt auf eine besonders laute Technik beim Bau des Windparks setzen: Statt drei oder vier etwas schmalerer Pfähle rammen sie nur einen einzigen dicken Pfahl als Fundament für jede Anlage in den Meeresboden. Das ist billiger - macht aber auch mehr Krach.

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erstellt am 19.Aug.2013 | 09:43 Uhr

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