Kiel : Niclas Herbst Spitzenkandidat der Nord-CDU für die Europawahl

Niclas Herbst (l-r), Daniel Günther, Reimer Böge und David McAllister (alle CDU) stehen zusammen.
Niclas Herbst (l-r), Daniel Günther, Reimer Böge und David McAllister (alle CDU) stehen zusammen.

Die Nord-CDU wählt Niclas Herbst mit 86 Prozent zur Nummer eins ihrer Landesliste für die Europawahl 2019.

shz.de von
01. Juni 2018, 22:02 Uhr

Kiel | Mit einem klaren Bekenntnis zu Europa will die Nord-CDU in die Europawahl im Mai 2019 gehen. Die CDU sollte wieder zur Europapartei werden, sagte Ministerpräsident und Landeschef Daniel Günther am Freitag in Neumünster bei einem Landesparteitag. Er verwies auf manche kritische Äußerungen auch aus der Union zur Europäischen Union. „Es muss unser Ziel sein, den Trend der gewonnenen Wahlen fortzusetzen“, forderte Günther. Nach der Landtagswahl, der Bundestagswahl und zuletzt der Kommunalwahl am 6. Mai bereite sich die CDU mit viel Optimismus auf die Europawahl vor.

Der Parteitag wählte den früheren Landtagsabgeordneten Niclas Herbst mit 177 Ja-Stimmen von 206 abgegebenen Stimmen zum Spitzenkandidaten der schleswig-holsteinischen CDU für die Europawahl im Mai 2019 - eine Zustimmung von 86,3 Prozent. Herbst löst Reimer Böge ab, der nach 30 Jahren als Europaparlamentarier nicht mehr antritt. Herbst (45) warnte in seiner Vorstellungsrede, dass es diesmal um eine Richtungswahl gehe. Es gehe darum, das Europa Adenauers, de Gaulles, Mitterrands und Kohls zu retten. Manche wie der frühere Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Bannon, hätten Europa als Feind gewählt und wollten die EU kaputt machen.„Europa ist keine Elitenprojekt“, sagte Herbst. „Für den Landwirt, der aus Osteuropa seinen Erntehelfer holt, ist Europa keine Eliteprojekt.“ Und auch nicht für jene alte Menschen, die eine Pflegekraft bräuchten.

Deutschland müsse bereit sein, mehr Geld in Europa zu investieren, sagte Günther. Denn nur so könnten die Einnahmeverluste der EU durch den Austritt Großbritanniens ausgeglichen werden, und Schleswig-Holstein könne weiterhin von den EU-Förderprogrammen profitieren. Mit geringeren Einnahmen so viel auszugeben wie bisher, das werde nicht funktionieren können.

Flammendes Plädoyer für die Europäische Union

Stehend dankten die Delegierten der Landesvertreterversammlung Reimer Böge mit langem Beifall. Dieser hielt ein flammendes Plädoyer für die Europäische Union als die wahre Zukunftsperspektive auch für Deutschland in einer globalisierten Welt. Es müsse aufhören, für alle Probleme den Feind in Brüssel zu sehen. Die Bürger erwarteten von der EU, die Sicherheit nach Innen und Außen zu gewährleisten sowie wirtschaftlichen Wohlstand und soziale Standards. Handelsabkommen wie das mit Kanada und die angestrebten Vereinbarungen mit Südkorea und Mexiko seien wichtig, um die EU wirtschaftlich voranzubringen.

Den USA hielt Böge vor, mit den Strafzöllen für Stahl und Aluminium gegen die WTO-Handelsregeln zu verstoßen. Schärfer noch ging David McAllister mit den USA ins Gericht. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident und heutige Eurapapolitiker wandte sich unter großem Beifall gegen Protektionismus und forderte die Rückkehr zu einer multilateralen, regelbasierten Wirtschaft. US-Präsident Trump solle auch bedenken, wer seine Freunde seien - die europäischen Länder.

Vor einem wachsenden Einfluss von Links- und Rechtsradikalen im Europaparlament warnten Böge und McAllister. Es sei davon auszugehen, dass die Kräfte, die die EU sabotieren wollten, im Europaparlament noch stärker werden. Daher sollten die Bürger, die der europäischen Idee anhängen, wählen gehen und proeuropäisch wählen. „Europa ist zu schade für die Irren von ganz links und ganz rechts“, sagte McAllister unter großem Applaus.

Herbst, Landtagsabgeordneter von 2005 bis 2012, hatte das Land Schleswig-Holstein von 2010 bis 2012 im Ausschuss der Regionen der Europäischen Union vertreten. Der gebürtige Ratzeburger hatte 2009 und 2014 auf Listenplatz 2 für die CDU Schleswig-Holstein zur Europawahl kandidiert. Herbst ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Die Familie lebt in Kiel.

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