zur Navigation springen

Reform in SH : Neues Schulgesetz ist beschlossen

vom

Ab August gibt es in Schleswig-Holstein nur noch Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Der Hauptschulabschluss wird mit dem neuen Schulgesetz abgeschafft. Die Opposition hält die Schulreform für zu teuer.

Die Schulreform in Schleswig-Holstein tritt zum Beginn des Schuljahres 2014/2015 im August in Kraft. Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von SPD, Grünen und SSW verabschiedete der Landtag am Mittwoch das neue Schulgesetz. Es werde die Chancengleichheit signifikant erhöhen, sagte Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos). Nie zuvor sei eine Bildungsreform in einem so umfassenden Dialog erfolgt. Kern ist die Einführung eines zweigliedrigen Schulsystems. Nach der Grundschule folgen Gymnasium oder Gemeinschaftsschule. Die bisherigen Regionalschulen im Land werden entweder in Gemeinschaftsschulen umgewandelt oder aufgelöst.

Was bedeutet das zweigliedrige Schulsystem für die Regionalschulen?

Nach der Grundschule können Schüler nur noch zwischen Gemeinschaftsschulen und Gymnasien wählen. Nach Ministeriumsangaben werden 36 der derzeit noch landesweit 47 Regionalschulen zum 1. August in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Sieben Schulen nehmen keine Schüler mehr auf und laufen aus, vier Schulen liegen unter der Mindestschülerzahl von 240 Schülern und werden aufgelöst.

 

Welche Schulabschlüsse gibt es künftig?

Der Hauptschulabschluss und die Mittlere Reife (Realschulabschluss) werden abgeschafft. Stattdessen wird an Gemeinschaftsschulen nach neun Jahren die „Berufsbildungsreife“ erreicht, nach zehn Jahren der „Mittlere Abschluss“ und das Abitur nach 13 Jahren - also neun Jahre nach der Grundschule.

 

Gemeinschaftsschule oder Gymnasium - wer entscheidet das?

Die Eltern. Die bisher verbindliche Schulartempfehlung nach Klasse vier entfällt. Stattdessen gibt es ein obligatorisches Beratungsgespräch. Welche weiterführende Schule das Kind besucht, entscheiden allein die Eltern, unabhängig von der Leistung ihrer Kinder.

G8, G9 oder Y? Wann machen die Schüler Abitur?

Das Abitur wird in der Regel nach acht Jahren (G8) erworben. Bestandsschutz erhalten die landesweit elf Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang und die vier Gymnasien, die G8 und G9  als sogenanntes Y-Modell anbieten.

Sind Kooperationen von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien möglich?

Ja. Gemeinschaftsschulen ohne eigene Oberstufe können mit Gymnasien, mit Beruflichen Gymnasien oder mit Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe eine Kooperation vereinbaren. Schüler kennen dann schon frühzeitig ihre jeweilige künftige Oberstufe.

Was sind „Flexi-Klassen“?

Es soll keine abschlussbezogenen Klassenverbände mehr geben. Eine Ausnahme gibt es: Langsamer lernende Schüler können den Stoff der letzten beiden Schuljahre für den Hauptschulabschluss in drei Jahren im Klassenverband machen - in sogenannten „Flexi-Klassen“. Der Unterricht an Gemeinschaftsschulen findet in binnendifferenzierender Form statt. Ab Jahrgangsstufe 7 sind Lerngruppen in einzelnen Fächern - etwa Mathematik, Deutsch oder Englisch - nach Leistungsfähigkeit möglich.

Gibt es auch Gymnasien und Gemeinschaftsschulen unter einem Dach?

Ja. Bisher sind landesweit sechs Gymnasien und Regionalschulen organisatorisch verbunden - was sich laut Ministerium bewährt hat. Auch nach der Umwandlung der Regionalschulen in Gemeinschaftsschulen sollen deshalb diese mit den Gymnasien weiterhin unter einem Dach organisatorisch verbunden sein.

Erklärtes politisches Ziel der Novelle, die zum nächsten Schuljahr in Kraft treten soll: Mehr Bildungsgerechtigkeit. Die Opposition erneuerte ihre Kritik an dem Gesetzentwurf. Die Pläne seien teuer und nicht durchfinanziert, kritisierten CDU und FDP. Beide Parteien hatten 2011 in der schwarz-gelben Koalition ein Schulgesetz verabschiedet. Das wird jetzt in Teilen wieder kassiert. Der Philologenverband sieht mit dem Novelle „das Ende des Gymnasiums eingeläutet“. Verbandschef Helmut Siegmon appellierte deshalb gestern „an die Vernunft einzelner Abgeordneter“ der Koalition, den Entwurf heute abzulehnen. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.

zur Startseite

von
erstellt am 22.Jan.2014 | 14:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen