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Umfrage im Kieler Landtag : Neuer SH-Slogan ist „wie Brokkoli“

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Ist „Der echte Norden“ eine gute Dachmarke für den Norden? Ja, sagt die Koalition, von Unsinn spricht die Opposition. Doch mit dem Slogan wird das Land bald für sich werben. Eine englische Fassung gibt es auch bereits.

Kiel | Mit dem einheitlichen Slogan „Der echte Norden“ will die Landesregierung in Kiel künftig für Schleswig-Holstein werben. Dies löste am Donnerstag eine heftige Kontroverse im Landtag aus. Die FDP scheiterte an der Mehrheit von SPD, Grünen und SSW mit der Forderung an die Regierung, die Kampagne unverzüglich einzustellen. Aus Sicht von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) hätte das Land schon lange eine Dachmarke entwickeln sollen. Andere Länder hätten das längst getan. „Wir wollen nach außen und nach innen geschlossener auftreten als bisher.“ Das Standortmarketing solle helfen, das Profil des Landes zu schärfen.

„Wir sind der echte Norden“, sagte Meyer. Das sei mit Profis entwickelt worden. Der Markenbestandteil „echt“ sei ein Leistungsversprechen, das eine schleswig-holsteinische Qualität beschreibe. „Unsere Untersuchungen haben zudem deutlich gezeigt, dass die Menschen mit Norden Begriffe wie Weite, Frische, Gesundheit, Authentizität, Klarheit, Bescheidenheit, Standfestigkeit, Richtungsweisung oder Weltoffenheit verbinden.“

Nach Ansicht der FDP ist die Dachmarke peinlich und sinnleer. Als Alternative schlug Oliver Kumbartzky „Schleswig-Holstein - der starke Norden“ vor. „Das ist genauso sinnleer, aber ich würde dafür kein Geld nehmen.“ Die Landesregierung mache das Land mit dem Slogan lächerlich.

„Der echte Norden“ sei bei den Nachbarn in Norddeutschland auf Skepsis und Kritik gestoßen, sagte Hans-Jörn Arp von der CDU. „Die Kampagne ist nicht nur teuer, sie ist auch überflüssig.“ Er glaube nicht, dass die Dachmarke zu einem stärkeren Wir-Gefühl führt, sagte Arp.

Olaf Schulze von der SPD warf der Opposition vor, sie rede das Land schlecht. „Wir sind in vielen Dingen echt gut.“ Der Grüne Andreas Tietze sagte, Dachmarken anderer Bundesländer seien durchaus erfolgreich, auch wenn sie anderswo Stirnrunzeln auslösten. „Das ist wie mit Brokkoli“, verglich Karl Otto Meyer (SSW). „Der schmeckt den meisten nicht, aber ist sehr gesund.“ Man habe sich bemerkbar gemacht und einen Effekt erzielt. „Und Effekt soll ja so eine Kampagne haben.“

Die Regierung verspricht sich vom „echten Norden“ eine stärkere Werbewirkung nach außen und zugleich eine höhere Identitätsstiftung für die Menschen im Land. Als nördlichstes Bundesland verbinde Schleswig-Holstein Deutschland mit Skandinavien und könne so für sich selbstbewusst proklamieren, der „echte Norden“ zu sein, heißt es. Die Opposition bezweifelt die in Aussicht gestellten Wirkungen.

Die bisherigen Kosten bezifferte die Landesregierung mit 220.000 Euro; der gesamte Etat des Wirtschaftsministeriums für Standortmarketing beträgt 500.000 Euro. Der Pirat Patrick Breyer forderte, die Marketingmittel generell zu streichen. Diese Ausgaben seien Geldverschwendung. „Ohne Standortmarketing geht es nicht“, hielt Flemming Meyer vom SSW dagegen.

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erstellt am 20.Feb.2014 | 19:50 Uhr

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