Kontrolle des Landesjugendamtes : Nackt-Skandal: Mädchenheime in Dithmarschen sollen schließen

Das „Friesenhof“-Jugendheim in Hedwigenkoog.
Das „Friesenhof“-Jugendheim in Hedwigenkoog.

Sozialministerin Alheit stößt ein Verfahren zum Widerruf der Betriebserlaubnis an. Der Umgang mit Jugendlichen entspreche nicht den pädagogischen Maßstäben. Es fehle Personal.

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02. Juni 2015, 15:34 Uhr

Kiel | Das Landesjugendamt Schleswig-Holstein will die Jugendhilfeeinrichtung im Kreis Dithmarschen zum Teil schließen. Nach einer unangekündigten Kontrolle von zwei Heimen des Friesenhofs werde ein Verfahren zum Widerruf der Betriebserlaubnis für eine der beiden geprüften Einrichtungen eingeleitet, teilte das Sozialministerium am Dienstag in Kiel mit. Einem weiteren zurzeit nicht belegten Heim des Friesenhofs, das konzeptionell weitgehend identisch sei, solle ebenfalls die Betriebserlaubnis entzogen werden. Die Trägerin der Einrichtung soll am Mittwoch angehört werden.

In den drei Häusern der Einrichtung leben Mädchen und junge Frauen - auch aus Hamburg - mit schweren psychischen Problemen, Verhaltensauffälligkeiten oder kriminellem Hintergrund. Im zweiten Halbjahr 2014 hatten Mädchen, aber auch zwei ehemalige pädagogische Mitarbeiter massive Vorwürfe über inakzeptable Praktiken erhoben - etwa, dass sich die Mädchen nach ihrer Ankunft nackt vor männlichem Personal ausziehen müssten.

Maßgeblicher Grund für die beabsichtigte Schließung sei das Fehlen von ausreichend qualifiziertem Personal. Daneben entspreche der Umgang mit den Jugendlichen nicht den vereinbarten pädagogischen Maßstäben. „Das Wohl der Jugendlichen und deren Würde haben Priorität. Das muss der Maßstab des Landesjugendamtes sein“, erklärte  Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Die zuständigen Jugendämter sollen eine alternative Unterbringung der Jugendlichen vorbereiten.

In den Dithmarscher Heimen leben nach Angaben von Betreiberin Barbara Janssen derzeit 35 Mädchen und junge Frauen mit schweren psychischen Problemen, Verhaltensauffälligkeiten oder kriminellem Hintergrund. Unter ihnen sind nach Angaben der Hamburger Jugendämter zurzeit auch fünf Jugendliche aus der Hansestadt.

Nach Beschwerden von Bewohnerinnen hatte das Landesjugendamt bereits Ende Januar eine erste Prüfung an allen drei Standorten veranlasst. Als Ergebnis waren Auflagen erlassen worden, die später in eine Vereinbarung mit der Trägerin umgewandelt wurden. Darin wurde etwa festgelegt, dass Kleidung und Gegenstände der Bewohnerinnen durchsucht werden dürfen, aber dabei nur im Einzelfall ein vollständiges Entkleiden erlaubt ist. Auch die Einschränkung der Kontakte nach außen wird genauer festgelegt. Von einem Mangel an qualifiziertem Personal war in der Vereinbarung nicht die Rede.

Ende vergangener Woche hatte die Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft die Angelegenheit an die Öffentlichkeit gebracht. Fraktionschefin Sabine Boeddinghaus hatte am Montag erklärt, die Zustände in der Jugendhilfeeinrichtung erinnerten „an ein Straflager“. Janssen wies die Vorwürfe als Trägerin zurück. Sie bedauerte zugleich, dass durch falsche Behauptungen Vertrauen zwischen Eltern, ihrer Einrichtung und den Jugendämtern zerstört worden sei. „Unser Konzept ist erfolgreich“, betonte sie. Im vergangenen Jahr hätten acht Bewohnerinnen einen Schulabschluss gemacht.

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