Regierungssprecher Knut Peters : Nachhilfe in Sachen Virtuelle Politik

Knut Peters
Knut Peters

Regierungssprecher Peters verordnet Nachhilfe: Regierungsvertreter sollen lernen, mit Facebook und Twitter umzugehen. Dabei fällt Peters selbst negativ auf.

Avatar_shz von
07. März 2011, 12:06 Uhr

Kiel | Facebook mischt die Politik auf: Zum Aufstand gegen nordafrikanischen Diktatoren verabredete sich das Volk auf der Internetplattform. Und hierzulande machen 500.000 Guttenberg-Fans im sozialen Netzwerk mobil. Auch in Schleswig-Holstein fürchtet die Politik offenbar, die Deutungshoheit über ihre Botschaften zu verlieren und will im großen Spiel bei Facebook & Co einsteigen.
Ausgerechnet Regierungssprecher Knut Peters, der für das Komunikationsdesaster der Landesregierung beim Sparpaket verantwortlich ist, verdonnert hochrangige Regierungsvertreter jetzt zu einem vierstündigen Nachhilfeunterricht in Sachen Social Media. Engagiert wurde dafür eigens den Medienberater Michael Cramer, derzeit Redaktionsleiter der Talksendung "Sabine Christiansen". Er soll morgen 30 Staatssekretären und Ministerialen beibringen, wie sie den Bürgern per Internet ihre Politik effizienter verkaufen können. "Die wichtigen Kommunikationswege wie Twitter und Facebook rücken immer mehr in den Vordergund", heißt in einem Schreiben, in dem Peters seine Mannen zum Nachsitzen zitiert.

Neue Mediennutzung
Dass sich die Facebook-Fangemeinde der Regierung inzwischen 8700 Personen zählt und der landeseigene Twitterkanal 500 "Follower" hat, ist für den Regierungssprecher Beweis genug, dass sich das Mediennutzung ändert und die Regierung schleunigst reagieren muss. Nur zum Vergleich: Schalke Trainer Felix Magath hat 147.000 "Freunde" bei Facebook.
Bislang hat sich die Landesregierung, die seit Ende 2008 auf Facebook und Twitter unterwegs ist, im Netzwerk ebensowenig mit Ruhm bekleckert wie in der traditionellen Öffentlichkeitsarbeit. Für politischen Unmut sorgte zum Beispiel im Herbst folgender Eintrag ihrer Facebook-Seite: "Knut Peters denkt grad daran, dass heute Freitag ist, der heilige Tag der Muslime. Und irgendwie ist mir danach, alle Frauen und Männer herzlich zu grüßen, die ihren Gott Allah nennen und gesetzestreu in Deutschland leben. Salam aleikum!", schriebt Peters. Prompt kamen haufenweise Reaktionen. "Ich kann ja verstehen, dass die Landesregierung wenigstens bei Facebook viele Freunde haben möchte. Niemand bleibt gern allein. Da muss die Qualität schon mal zurückstehen", spottete der SPD-Mann Peter Eichstädt.

Belehrungen
Ansonsten belehrt der Regierungssprecher die Facebook-Nutzer auch gern mal. "Ein bisschen mehr Beweglichkeit im Denken würde Ihnen gut tun", rät er im Februar einer Nutzerin. Einer anderen, die darauf hinweist, dass "die meistern Bürger im Land" die Carstensen-Koalition nur noch für eine Übergangsregierung halten, teilt er mit: "Ihr Kommentar zeigt, dass sie das Urteil des Landesverfassungsgerichts entweder nicht gelesen oder nicht verstanden haben". Und weiter: "Es wäre wirklich interessant zu erfahren, woher SIE die Berechtigung nehmen, hier für die meisten Menschen im Land zu sprechen. In der Demokratie gilt das Prinzip, wonach jede/r eine Stimme hat. Eine,auch Sie haben nicht mehr".
Noch gehört Schleswig-Holstein zu den Vorreitern in Bezug auf soziale Netzwerke. Nur Bayern und Hessen sind ebenfalls bei Facebook präsent. Und die Großen dieser Welt: Bundeskanzlerin Angel Merkel, US-Präsident Obama und Italiens Regierungschef Berlusconi. Verbraucherministerin Ilse Aigner ( CDU) hat ihre Mitgliedschaft bei Facebook übrigens gekündigt. "Ich kann und will ich es nicht akzeptieren, dass ein Unternehmen wie Facebook gegen das Datenschutzrecht verstößt und die Privatsphäre seiner Mitglieder ignoriert", erklärte sie.
(kim, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen