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Gefahr multiresistenter Keime : Nach Keim-Krise am UKSH: Kein Geld für neuen Schnelltest

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

360.000 Euro soll das neue Testverfahren kosten. Das Gesundheitsministerium will das nicht zahlen und erntet dafür Kritik.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2015 | 06:30 Uhr

Kiel | Die Keim-Krise am Kieler Universitätsklinikum (UKSH) ist jetzt bald ein Jahr her – ausgestanden ist sie nicht. Die CDU hat nicht nur Zweifel daran, dass der hochgefährliche Virus damals tatsächlich von einem Mann ins UKSH-Klinikum „importiert “ wurde, der aus einem türkischen Krankenhaus verlegt wurde. Für Nachwirkungen sorgt auch das sogenannte Screening – also die routinemäßige Kontrolle, ob neu aufgenommen Patienten Träger mulitresistenter Keime sind.

Nachdem im Januar 31 Patienten mit dem gefährlichen „Acinetobacter baumannii“ in Berührung gekommen waren, zwei sogar möglicherweise an den Folgen einer Keiminfektion starben, hatte ein Forscherteam der Uni mit Hochdruck an der Entwicklung eines neuen Testverfahrens gearbeitet. Mit Erfolg. Allerdings fehlt jetzt offenbar das Geld für den Praxistest. Für den CDU- Abgeordneten Karsten Jasper ein Unding. Mehr als vier Millionen Euro habe das UKSH – und damit den Steuerzahler – die Keimkrise gekostet. Und jetzt weigere sich das Gesundheitsministerium 360.000 Euro für das neue Testverfahren locker zu machen, mit dem künftige Ausbrüche verhindert werden könnten. „Das darf ja wohl nicht wahr sein“, empört sich der Unions-Mann.

Wie sich gestern im Sozialausschuss herausstellte, ist die Aufregung übertrieben. Zwar hat das Kieler Gesundheitsministerium tatsächlich die Finanzierung abgelehnt, jedoch auf das Bundesgesundheitsministerium verwiesen, das wiederum nur tätig werde, wenn eine Ablehnung des Landesministeriums vorliege, erklärte Staatssekretärin Anette Langner. Zugleich sagte sie zu, nach neuen Wegen zu suchen, falls aus Berlin eine Absage komme. Da das Testverfahren vom international agierenden Konzern „Test-Fischer“ auf den Markt gebracht werden soll, sei eine Subvention aus dem Topf des Kieler Gesundheitsministeriums ohnehin umstritten. Wenn überhaupt, sei hier die anwendungsorientierte Wirtschaftsförderung am Zuge. „Wichtig ist uns, dass das Verfahren, das hier entwickelt wurde, auf jeden Fall hier zum Einsatz kommt“, so Langner.

Und auch beim türkischen Keim-Import konnte sie für Aufklärung sorgen. Das zuständige Referenzzentrum in Bochum habe eindeutig nachgewiesen, dass der Keim damals von dem aus Istanbul überführten Patienten ins Haus getragen wurde.

Kein Gerücht, sondern Tatsache sind die Baumaßnahmen auf dem Klinikgelände in Kiel. Als Folge der Keimkrise, die international für Aufsehen sorgte, weil herkömmliche Antibiotika nicht mehr anschlugen, wird derzeit eine provisorische Intensivstation aus Containern im Innenhof der internistischen Klinik errichtet. Dadurch wird nicht nur die Kapazität erweitert, sondern auch die Isolation von Keimträgern erleichtert. Die starke Ausbreitung des Keims im Januar lag nämlich auch daran, dass der Patient aus der Türkei auf einem Dreibett-Intensivzimmer untergebracht werden musste, weil nur dort Platz war. Das neu errichtete Provisorium soll im Frühjahr eingeweiht werden und kostet 5,2 Millionen Euro. Spätestens in fünf Jahren, wenn der Neubau des Gesamtklinikums abgeschlossen ist, wird das Provisorium wieder abgebaut.

 

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