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Kommentar : Nach Anschlag in Escheburg: Willkommenskultur mit Füßen getreten

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wir haben alle eine historische Verpflichtung, den Flüchtlingen zu helfen, meint unser Kommentator Holger Loose.

Escheburg/Kiel | Von wegen Willkommenskultur: In Escheburg wurde sie heftigst mit Füßen getreten – und das nicht etwa von Rechts-Extremen. Nein, offenbar griff ein Otto Normalbürger zum Brandbeschleuniger. Der nette Mann von nebenan – er konnte doch jahrelang in dem beschaulichen Ort im Herzogtum Lauenburg in Ruhe sein geordnetes Leben führen. Flüchtlinge aus dem fremden Irak, die passen da natürlich nicht ins Bild und stören nur. Und wenn die Politik das Problem nicht löst, muss man eben selbst aktiv werden. Am Ende geht es ja auch um den Werterhalt der eigenen Immobilie. Doch da liegt der vermeintliche Brandstifter komplett falsch. Was er getan hat, ist in jeder Hinsicht verabscheuungswürdig, menschenverachtend und kriminell.

Aber was treibt unbescholtene Bürger dazu, zu Straftätern zu werden? Und wie viele Menschen, die sich demonstrativ gegen Vorfälle wie in Escheburg oder auch gegen Pegida in Position bringen, würden ihre ach so ehrbare Haltung zumindest im stillen Kämmerlein gründlich überdenken, wenn die Flüchtlingsunterkunft nicht ein paar Orte entfernt, sondern in ihrer direkten Nachbarschaft gestanden hätte?

Die Welle von Flüchtlingen, die in diesem Jahr auf Schleswig-Holstein zuschwappt, sorgt in großen Teilen der Bevölkerung für Unsicherheit und Ängste. Die Politik muss diese endlich ernst nehmen. Mit dem Finger auf die Bösen zu zeigen, reicht da nicht.

Natürlich ist ein feiger Brandanschlag wie in Escheburg durch nichts zu rechtfertigen und zum Glück auch immer noch eine Ausnahme. Damit das so bleibt, muss die Politik auf die Bürger zugehen und ihnen das Gefühl nehmen, sowieso nicht mehr gefragt zu werden. Nur so bleibt in den Köpfen: Wir haben eine historische Verpflichtung, den Flüchtlingen zu helfen. Und die muss immer über den eigenen Interessen stehen. Das gilt für Bewohner in der schicken Villengegend von Hamburg genauso wie für die Bürger von Escheburg.

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erstellt am 20.Feb.2015 | 09:59 Uhr

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