Erlass des Umweltministeriums : Nabu fürchtet schwächeren Wiesenvogel-Schutz

Was wird aus den Wiesenvögeln Schleswig-Holsteins? Ein Erlass des Umweltministeriums zum Vogelschutz steht kurz vor der Fertigstellung. Doch der Nabu ist skeptisch.

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28. April 2011, 07:43 Uhr

Kiel | Der Nabu sorgt sich um die Zukunft der Wiesenvögel in Schleswig-Holstein. Zwar hat das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium von Juliane Rumpf (CDU) am 3. März den Entwurf für einen Erlass herausgegeben, der den Umbruch von Wiesen in Anbauflächen für Energiepflanzen wie Mais verhindern soll und dabei vor allem Ausnahmen strikt regelt. Aber: "Nun herrscht verdächtige Ruhe", sagt Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski. Der Verband fürchtet, dass die Landwirte sich mit ihren bereits nach Erscheinen des Entwurfs vorgebrachten Bedenken "auf bekannten politischen Kanälen über die höchste Ebene der Landesregierung" gegen die Pläne der Umweltministerin durchgesetzt haben.
Nach Auskunft des Ministeriums befindet sich die Endfassung des Erlasses unmittelbar vor der Fertigstellung. Welche Änderungsvorschläge letztlich aufgenommen wurden, konnte Ministeriumssprecher Christian Seyfert am Mittwoch nicht sagen. "Da gab es natürlich unterschiedliche Auffassungen und Vorschläge, die nicht alle berücksichtigt werden konnten." Innerhalb der Regierung habe es jedoch keine Interessenskonflikte gegeben, "zumal unser Ministerium in diesem Fall allein zuständig ist", so Seyfert.
Hintergrund der Neuregelung ist der dramatische Niedergang der Wiesenvogel-Populationen in den vergangenen 20 Jahren - der Feldlerchenbestand ist in dieser Zeit um 21 Prozent zurückgegangen, der des Kiebitzes um 24 Prozent. Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei den Uferschnepfen: Deren Population ist um 74 Prozent geschrumpft. Um das verbliebene Grünland zu erhalten, sollen Ausnahmen vom Umbruchsverbot nach Wunsch des Ministeriums nur erlaubt werden, wenn die Wiese bereits zwei Jahre zuvor durch eine qualitativ gleichwertige Fläche ersetzt wird. Sollte der Erlass "nicht im fachlich gebotenen Maße rechtskräftig werden", kündigt der Nabu Beschwerde wegen Verstoßes gegen die EU-Vogelschutzrichtlinie an.
(mki, shz)

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