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Flüchtlinge in Privatwohnungen : Minister-Appell sorgt für heftige Debatten im Netz

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Wer eine leerstehende Wohnung besitzt, kann bei der Unterbringung von Flüchtlingen helfen, sagt Innenminister Stefan Studt. Diese Forderung sorgt im Netz für heftige Diskussionen.

Kiel | Die leerstehende Einliegerwohnung oder das im Winter ohnehin kaum genutzte Feriendomizil auf Sylt auf der einen Seite. Auf der anderen: Überbelegte Zimmer und provisorische Container. Innenminister Stefan Studt fordert gegenüber den Lübecker Nachrichten Menschen in SH auf, Flüchtlinge privat aufzunehmen. Schleswig-Holstein müsse sich auf den Zuzug weiterer Asylbewerber einstellen. „Ich rechne mit jeweils rund 6700 Flüchtlingen in diesem und im nächsten Jahr“, sagte der Minister.

Wer eine freie Wohnung hat, sollte sich an seine Kommune wenden, die die Unterbringung der Flüchtlinge organisiert. Dass Flüchtlinge in Privatwohnungen untergebracht werden, sei seit Jahren gängige Praxis, so Ministeriumssprecher Thomas Giebeler. Der Minister habe angesichts des Zustroms aber noch einmal dazu aufgerufen, die Kommunen zu unterstützen. „Die wenigsten Flüchtlinge werden in Sammelunterkünften untergebracht“, sagt Giebeler. „Etwa 80 Prozent leben in Wohnungen.“ Die Kosten für die Miete trägt zu 70 Prozent das Land und zu 30 Prozent der Kreis, erklärt Flüchtlingsbeauftragter Torsten Döring. Es würden allerdings nur „angemessene“ Unterbringungskosten übernommen, die sich an der Mietobergrenze orientieren.

In sozialen Netzwerken wird die Forderung des Ministers kontrovers und auch immer wieder polemisch diskutiert. Nutzer befürchten demnach, enger zusammenrücken zu müssen, eine Facebook-Nutzerin schreibt im Facebook-Forum der Lübecker Nachrichten: „Bald kommts noch soweit das wir aus unseren Häusern ausziehen und denen alles überlassen sollen oder wie?“ Keine Einzelmeinung – die Redaktion leidet unter einem regelrechten Shitstorm im sozialen Netzwerk und steht vor der schwierigen Entscheidung, die polemische und immer wieder auch Menschen verachtende Diskussion komplett löschen zu müssen. „Wir sind hier auch ein bisschen überrascht von den Reaktionen“, heißt es seitens der Redaktion.

Ministeriumssprecher Giebeler betont jedoch, dass es sich lediglich um ungenutzte, eigenstehende Wohnungen handeln sollte, also weder um WG-Zimmer noch um das frei gewordene Kinderzimmer. Dass Menschen in Privathaushalten untergebracht werden, sei eher sie Ausnahme sagt Döring. Meist handele es sich dann um asylsuchende Verwandte, nur vereinzelt nehmen Deutsche einen Flüchtling in der eigenen Wohnung auf.

Nach welchem Schlüssel werden die Flüchtlinge auf die Kreise verteilt?

• Kreis Dithmarschen 4,9 Prozent

• Kreis Herzogtum-Lauenburg 6,3 Prozent

• Kreis Nordfriesland 5,8 Prozent

• Kreis Ostholstein 7,2 Prozent

• Kreis Pinneberg 10,4 Prozent

• Kreis Plön 4,7 Prozent

• Kreis Rendsburg-Eckernförde 9,6 Prozent

• Kreis Schleswig-Flensburg 7,0 Prozent

• Kreis Segeberg 8,9 Prozent

• Kreis Steinburg 4,9 Prozent

• Kreis Stormarn 7,7 Prozent

• Stadt Flensburg 3,1 Prozent

• Landeshauptstadt Kiel 8,7 Prozent

• Hansestadt Lübeck 7,8 Prozent

• Stadt Neumünster 3,0 Prozent

 
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erstellt am 14.Okt.2014 | 12:55 Uhr

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