Unbezahlbare Wohnungen in SH : Mieter klagen über steigende Nebenkosten

Der Betriebskostenspiegel für Deutschland und Schleswig-Holstein.
Der Betriebskostenspiegel für Deutschland und Schleswig-Holstein.

Das Wohnen wird auch in Schleswig-Holstein immer teurer. Die Wasser- und Heizkosten gehen weiter in die Höhe.

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02. Juli 2014, 06:30 Uhr

Kiel | Der Mieterbund warnt vor unbezahlbaren Wohnungen. „Wir brauchen nicht nur eine Mietpreisbremse, sondern auch eine Nebenkostenbremse“, forderte Schleswig-Holsteins Verbandschef Jochen Kiersch am Dienstag in Kiel. Nach Berechnungen seiner Organisation zahlten Mieter im Jahr 2012 für eine 80 Quadratmeter Wohnung im Bundesschnitt 3062,40 Euro allein an Nebenkosten. Heizen und warmes Wasser machen dabei fast zwei Drittel der Betriebskostenabrechnung aus. Von den 2,20 Euro pro Quadratmeter und Monat, die Mieter an Betriebskosten zahlen, entfallen 1,15 Euro auf die Heizung und 0,28 Euro auf Warmwasser. Gibt es im Haus einen Aufzug, einen Hauswart oder wird der Rasen regelmäßig gemäht, kann die „zweite Miete“ auf bis 3,19 Euro pro Quadratmeter steigen. Inzwischen müssen Mieter ein Drittel der Kaltmiete (SH: 5,50 Euro) zusätzlich für Nebenkosten einkalkulieren.

„Die Zeiten für Mieter sind schlecht“, sagt Kiersch. Dabei sind Bürger hierzulande bei den Heizkosten besonders gebeutelt. Weil der Wind im Land zwischen den Meeren besonders kräftig und kalt bläst, müssen sie für die warme Stube im Schnitt 1,26 Euro pro Quadratmeter ausgeben, während der Bundesschnitt elf Cent niedriger liegt. Auch für Müllbeseitigung, Straßenreinigung, Warmwasser und Grundsteuer muss tiefer in die Tasche gegriffen werden. Kiersch beklagt, dass besonders in Ballungsräumen Vermieter „bei allem zulegen, was nicht niet- und nagelfest ist – zumal die Nebenkosten ein erhebliches Missbrauchspotenzial bieten“. Nach dem Motto „das muss ich ja nicht bezahlen“ akzeptierten sie überteuerte Angebote von Schneeräumdiensten oder Hausverwaltern. „Das ist leider ein Geschäft, bei dem der Mieter, der zahlen muss, nicht mit am Tisch sitzt.“

Für das Abrechnungsjahr 2013 rechnet der Deutsche Mieterbund mit weiter gestiegenen Betriebskosten und auch 2014 wird es nicht besser. Zwar blieben 2013 die Energiepreise weitgehend stabil, doch der Verbrauch stieg um fünf Prozent.

In vielen Städten und Kommunen sei zudem die Grundsteuer erneut erhöht worden, zudem kämen zusätzlich Kosten für Legionellenüberprüfungen oder Wartungskosten für Rauchmelder hinzu. „Es  wäre schon ein Erfolg, wenn der Staat sich nicht weiter als Kostentreiber betätigt“, so Kiersch. „Neue Vorschriften für die Elektroleitungen, Fahrstühle oder Öltanks – die Fantasie eines Normalbürgers reicht nicht, um sich das auszudenken, was in den Amtsstuben ausgeheckt wird.“

Verbündete für die Preisbremse findet er beim Verband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Nach dessen Berechnungen tragen Nebenkosten derzeit stärker zu höheren Wohnkosten bei als der Anstieg der Mieten. So seien die Kaltmieten im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent gestiegen, die warmen Betriebskosten aber um 2,8 Prozent.

„Weichen falsch gestellt“. Ein Kommentar von Margret Kiosz

Galoppierende Energiepreise, überbordende Bürokratie und zu wenig Wohnungsbau –  für Mieter sind die Zeiten alles andere als rosig. Die meisten Bundesbürger müssen Monat für Monat deutlich mehr als die vertretbaren 30 Prozent ihres Gehalts fürs Wohnen ausgeben. Dabei ist es ihnen in der Regel völlig egal, ob die erste – also die Kaltmiete – oder die zweite Miete für Heizung, Lift und Treppenhausreinigung steigt.

Schuld sind nicht allein vermeintlich raffgierige Vermieter, sondern auch Politiker, die Weichen falsch gestellt haben. Es war ein Fehler,massenhaft Wohnraum an Finanzinvestoren zu verkaufen und so ein sozialpolitisches Instrument der Wohnraumbewirtschaftung aus der Hand zu geben. Es war falsch, die Kosten der Energiewende Mietern aufzuhalsen, die über die Ökostrom-Umlage die Solarpaneele ihres Vermieters subventionieren. Und es ist falsch, gut gemeinte Vorschriften – etwa für Rauchmelder – bürokratisch so zu überfrachten, dass Mieter für den Kontrollwahn immer tiefer in die Tasche greifen müssen.

Die von der Bundesregierung geplante Mietpreisbremse ist eine Nebelkerze. Die lenkt nur von den Folgen teilweise überflüssiger, dafür aber teurer gesetzlicher Vorschriften ab. Ob es uns nun gefällt oder nicht: Ein Ende der Preistreiberei ist nicht in Sicht. Spätestens nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes werden sich Mieter wieder die Augen reiben. Weil Treppenhausreinigung und Schneefegen dann deutlich teurer werden, steigen die Nebenkosten fröhlich weiter. Gut zu wissen, dass das dann wenigstens für einen guten Zweck passiert.

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