Neues Trainingszentrum : Mehr Sicherheit für Polizisten in SH

Innenminister Andreas Breitner (li.) überzeugte sich gleich selbst von der Tatkraft der Polizisten und mimte einen renitenten Zechpreller.
Innenminister Andreas Breitner (li.) überzeugte sich gleich selbst von der Tatkraft der Polizisten und mimte einen renitenten Zechpreller.

Der schleswig-holsteinische Innenminister weiht das Einsatztrainingszentrum der Landespolizei in Norderstedt ein – und warnt vor weiterer Eskalation der Gewalt gegen Beamte. Eine gute Show bietet Andreas Breitner auch.

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06. März 2014, 08:01 Uhr

Norderstedt | Der Minister ist störrisch. „Herr Breitner, kommen Sie mit?“, fragt Polizistin Alexandra Peters. Doch ihr Vorgesetzter, Innenminister Andreas Breitner (SPD), hat nur ein knappes „nö“ als Antwort parat. Genau zwei Sekunden später weiß er, dass die Antwort vielleicht doch nicht so passend war, denn dann haben Peters und ihr Kollege Holger Lüthje ihn mit einem Armstreckhebel auf die Matte des neuen Einsatztrainingszentrums in Norderstedt (Kreis Segeberg) geworfen.

Natürlich ist es nur eine Übung, in der Breitner gestern für die beiden Einsatztrainer einen renitenten Zechpreller spielt – aber das Szenario, das die Polizisten üben, ist realistisch. Die Zahl der Angriffe auf Polizeibeamte im Land sei zwar zuletzt gesunken, sagt Breitner. „Aber die Gewalt gegen Polizisten wird immer brutaler.“ Es komme nicht nur zu Pöbeleien und Beleidigungen, häufig würden die Angriffe mit Schlägen und Tritten, aber auch mit Stich- und Schlagwaffen ausgeführt. Auch deswegen hat die Landespolizei gestern das siebte Einsatztrainingszentrum eingeweiht – es ist das modernste in Schleswig-Holstein. In einer 220 Quadratmeter großen Halle können die 900 Polizisten aus den Kreisen Segeberg und Pinneberg trainieren, wie sie bei Einsätzen am besten reagieren. Es gibt nachgebaute Wohnungen, eine Polizeiwache, auch das Stoppen eines Autos kann simuliert werden. Zwei hauptamtliche und 22 nebenberufliche Trainer sollen den Beamten beibringen, wie sie sich selbst und andere besser vor Gewalt schützen.

„Wir können alle denkbaren Szenarien simulieren, mit Kameras aufzeichnen und analysieren. Nur Polizisten, die sich selber sicher fühlen, können auch Sicherheit für andere vermitteln“, sagt der Leiter der Polizeidirektion Segeberg, Andreas Görs, der Breitner die Halle zeigt. Es seien vor allem die scheinbar harmlosen Aktionen, bei denen Polizisten sich plötzlich in einer kritischen Situation wiederfänden. „Das kann bei einer Verkehrskontrolle sein oder bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt. Wir versuchen die Kollegen so fortzubilden, dass sie bestimmte Abläufe ganz automatisch abrufen, damit Situationen nicht eskalieren“, sagt Görs.

Das Land lässt sich das einiges kosten. Das neue Trainingszentrum in Norderstedt hat 175.000 Euro gekostet, in Eutin soll bis 2016 für die Ausbildung des Polizeinachwuches ein großes Übungsgebäude entstehen – für fünf Millionen Euro. „Ich bin froh, dass die Finanzministerin in dieser Sache auf meiner Seite ist“, sagt Breitner. Denn das Geld sei „fast alles an Investitionsmitteln, was wir in diesem Bereich haben“. Schon daran sei zu erkennen, wie sehr ihm das Problem am Herzen liege. „Ich habe null Akzeptanz und null Toleranz für Gewalt gegen Polizeibeamte“, sagt der Minister und Ex-Polizist.

„Wir hatten allein im Kreis Segeberg im vergangenen Jahr 71 verletzte Kollegen“, sagt Andreas Görs. „Diese Zahl hätten wir bei vermehrten Einsatztrainings vielleicht minimieren können – wenn wir stets und ständig trainiert hätten.“ Der Leitende Polizeidirektor wünscht sich deshalb noch mehr Übungen für die Polizisten. Allerdings seien aufgrund der engen Kapazitäten nur die zwei für Polizisten im Jahr vorgeschriebenen Trainingstage möglich.

Doch dort lernen die Beamten dann, wie man renitente Zechpreller oder einen leibhaftigen Innenminister ausschalten kann. „Das wollen im Moment viele“, sagt Breitner grinsend. Er wird von den beiden Einsatztrainern abgeführt und lächelt, weil er weiß, dass er den Medien und den Polizisten eine schöne Show geboten hat. Nach dem Einsatz prüft er kurz, ob seine Knochen und Gelenke den Wurf auf die Matte gut überstanden haben und sagt dann: „Sehr überzeugend.“ Dafür hat Einsatztrainer Holger Lüthje nur ein kleines Grinsen über: „Aus diesem Griff kommt sowieso keiner mehr raus.“

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