Kinderbetreuung : Mehr Kita-Kinder in SH

Die Zahl der Betreuungsplätze steigt deutlich. Sozialverbände kritisieren aber die Qualität in Schleswig-Holstein.

Avatar_shz von
16. Juli 2014, 12:48 Uhr

Wiesbaden | In Schleswig-Holstein werden mehr Kinder unter drei Jahren in Kitas oder von Tageseltern betreut als im Vorjahr. Zum Stichtag 1. März hatten 20.240 kleine Mädchen und Jungen im Norden einen staatlich geförderten Betreuungsplatz, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Das sind 13,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Der größte Teil der Unter-Dreijährigen (14.856) wurde in einer Kindertagesstätte betreut, 5384 besuchten Tageseltern. Seit dem 1. August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf die Betreuung ihrer Kleinkinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr.

Eine aktuelle Studie sagt für SH einen Bedarf von rund 39 Prozent voraus. Hier gibt es große regionale Unterschiede bei Bedarf und Ausbaustand. Dithmarschen liegt noch unter 20 Prozent, Lübeck schon bei 39 Prozent.

Für den Ausbau der U3-Betreuung stellten Bund und Land seit 2008 mehr als 150 Millionen Euro bereit. Noch einmal 10 Millionen schoss das Land Ende 2013 den Kreisen und kreisfreien Städten zur eigenen Bewirtschaftung nach, weil Bedarf für weitere Plätze da war. Für den laufenden Betrieb werden im laufenden Jahr gut 84 Millionen Euro beigesteuert, davon mehr als 57 Millionen vom Land. 2015 werden es insgesamt fast 102 Millionen Euro sein, davon mehr als 73 Millionen vom Land.

Um mit dem Ausbau auch personell mitzuhalten, starteten Land und Bundesagentur für Arbeit vor kurzem ein Programm, mit dem die Erzieher-Ausbildung für Quereinsteiger gefördert wird. Auch die Ausbildungskapazitäten waren erhöht worden. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergab 2013 für Schleswig-Holstein ein relativ günstiges Verhältnis zwischen Personal und betreuten Kindern. Demnach hatte sich im Norden eine Erzieherin im Durchschnitt um 3,7 Kinder zu kümmern, während es im Bundesmittel 4,5 Kinder waren.

Vor einer Woche hatten Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und die Landeselternvertretung die Qualität der Kita-Betreuung in Schleswig-Holstein kritisiert. „Die Rahmenbedingungen in Schleswig-Holstein sind dringend reformbedürftig“, mahnte Markus Potten, Geschäftsführer des Verbands Evangelischer Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein.

„Es wurde darauf geachtet, möglichst viele Gruppen zu produzieren – dabei ist die Qualität hinten runtergefallen“, sagt Michael Selck, Landesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt. Der Personalschlüssel ist in Schleswig-Holstein durch die Kita-Verordnung vorgegeben. Für zehn U3-Kinder sollen demnach zwei Vollzeit-Erzieher tätig sein. Das heißt: Eine Fachkraft kümmert sich um fünf Knirpse. Doch Urlaub, Verwaltung und sonstige Tätigkeiten lassen die Quote in der Realität meist schlechter aussehen. „Der Bildungsauftrag, den wir erfüllen sollen, sowie die weiteren Aufgaben wurden immer größer, gleichzeitig hat sich der Personalschlüssel kaum verändert“, bemängelt Selck.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen