Kita-Streik 2015 in SH : Mehr Gehalt für Erzieher – Eltern sollen zahlen

Schon jetzt ist die Kinderbetreuung in SH so teuer wie nirgendwo anders. Doch es könnte noch teurer werden.

Margret Kiosz von
27. Mai 2015, 19:34 Uhr

Mehrkosten in Höhe von bis drei Millionen Euro jährlich kommen allein auf die Landeshauptstadt Kiel zu, wenn die Gewerkschaft Verdi die Neueingruppierung der Erzieher tatsächlich durchsetzen sollte. Neumünster müsste rund 850.000 Euro mehr zahlen und Flensburg eine dreiviertel Million Euro. Soviel würden die etwa zehn Prozent höheren Tarifentgelte kosten. Derzeit zahlt der Kämmerer von Deutschlands nördlichster Stadt jährlich insgesamt 7,07 Millionen Euro an Personalkosten in seinen zwölf städtischen Kitas, sein Kollege in Neumünster 8,54 Millionen für 226 pädagogische Mitarbeiter.

Derartige Mehrbelastung für die Höhergruppierung der Erzieherinnen müssten wohl über Einsparungen an anderer Stelle und Umschichtungen im Haushalt finanziert oder aber auf die Kita-Gebühren umgelegt werden. „Die Eltern in allen kommunalen Kindertagesstätten in Schleswig-Holstein müssen damit rechnen, dass sie künftig für die Betreuung ihrer Kinder mehr zahlen müssen“, erklärte gestern der stellvertretende Chef des Kommunalen Arbeitgeberverbandes , Justus Steinbörmer, in Kiel.

Wie hoch die Zusatzbeiträge für die Väter und Mütter ausfallen, hängt dabei unter anderem auch davon ab, wie hoch der Anteil der Betriebskosten ist, der auf die Eltern umgelegt wird. Im Schnitt sind das in Krippen 20 Prozent, in Kitas für die über Dreijährigen teilweise aber auch 40 Prozent. Wie in allen Dienstleistungsbetrieben machen auch in den Kitas die Personalkosten den Löwenanteil bei den Betriebskosten aus.

„Zudem ist auch die Mitarbeiter-Struktur entscheidend“, gibt Gemeindetagschef Jörg Bülow zu bedenken. Beschäftigt eine kommunale Kita viele voll ausgebildete Erzieherinnen und nur wenige schlechter ausgebildete Hilfskräfte, könne das für Eltern besonders teuer werden. Der Grund: Verdi fordert für Erzieherinnen laut Arbeitgeberverband eine Höhereingruppierung um bis zu sieben Entgeltstufen, was einer Gehaltsanhebung um 20 Prozent entspräche. Selbst das aktuelle Angebot der Arbeitgeber, was laut Verdi nicht ausreichend und deshalb auch nicht verhandelbar ist, würde eine deutliche Kostensteigerung in den Kommunen verursachen. Demnach würden Erzieher bis zu 443 Euro im Monat mehr verdienen, Kinderpflegerinnen bis zu 201 Euro; für Kita-Leitungen ergäben sich Gehaltssteigerungen bis zu 448 Euro monatlich. Derzeit liegt das Durchschnittsgehalt von Erzieherinnen laut Verdi bei 2879 Euro brutto im Monat.

Bei der angespannten Finanzlage besonders in größeren Städten rechnen Fachleute nicht damit, dass die Kämmerer die Zusatzkosten einfach wegstecken, sondern die Eltern zur Kasse bitten. Dabei sind Väter und Mütter im Norden schon jetzt besonders schlecht dran. Seit Jahren belegt Schleswig-Holstein mit seinen Kitagebühren die Spitzenposition in Deutschland. Nirgendwo sonst ist die Kinderbetreuung so teuer wie hierzulande.

Derweil streiten sich die Tarifparteien darüber, wer schuld am Stillstand der Verhandlungen trägt. Verdi forderte die Arbeitgeber gestern erneut auf, „endlich ein vernünftiges Angebot zu präsentieren“ und kündigte an, der Streik im Sozial- und Erziehungsdienst werde „mit ungeminderter Intensität fortgesetzt“.

Heute ist Groß-Demo-Tag: In Kiel geht die Gewerkschaft wieder auf die Straße. In Flensburg und Neumünster wollen Eltern ihrem Ärger über den langen Arbeitskampf Luft machen. Und in Hamburg wird zeitgleich mit einer geplanten Sitzung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) eine große Demonstration der Erzieher stattfinden. Dazu sollen auch Beschäftigte aus anderen Bundesländern anreisen. Insgesamt rechnet die Gewerkschaft mit bis zu 10.000 Teilnehmern.

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