Neuer Elbtunnel : Mautmodell für den A20-Tunnel

Einmal zahlen bitte: Der neue Elbtunnel soll pro Auto etwa 4,75 Euro Maut kosten. Foto: dapd
Einmal zahlen bitte: Der neue Elbtunnel soll pro Auto etwa 4,75 Euro Maut kosten. Foto: dapd

Ramsauer legt sich fest: Auch Autofahrer sollen für das Großprojekt unter der Elbe bezahlen. Fast fünf Euro werden dann verlangt. Für Lastwagen sogar 25 Euro.

shz.de von
11. September 2012, 05:56 Uhr

Kiel/Berlin | Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat sich entschieden: Er will den Elbtunnel im Zuge der A20 bei Glückstadt privat bauen, finanzieren und betreiben lassen. Im Gegenzug soll der Investor von den Autofahrern eine Maut kassieren. Im Gespräch sind 4,75 Euro für Pkw und ungefähr 25 Euro für große Lkw. "Es läuft alles auf ein Mautmodell zu", sagte Ramsauers Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) am Montag dem sh:z in Berlin nach einem Gespräch mit Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) und Niedersachsens Verkehrsstaatssekretär Oliver Liersch (FDP).
Meyer zeigte sich verhalten optimistisch, dass die Elbunterquerung Wirklichkeit wird: "Ich bin zuversichtlicher als vorher", sagte er. Allerdings wolle er sich die gestern vorgelegte Machbarkeitsstudie für einen mautfinanzierten Tunnel erst mal genau ansehen: "Es sind noch einige Fragen zu klären." Schleswig-Holstein und Niedersachsen dürfen mitentscheiden, wie der voraussichtlich 1,3 Milliarden Euro teure Tunnel bezahlt wird. Stimmen beide Länder einem Mautmodell zu, soll eine weitere Wirtschaftlichkeitsuntersuchung endgültige Klarheit über die Machbarkeit bringen.
Grüne: Der Tunnel ist überflüssig
Für Irritationen sorgt in Kiel allerdings, dass die erste Fassung der Machbarkeitsstudie eine Mautfinanzierung noch als "wirtschaftlich nicht tragfähig" verworfen hatte, weil die erzielbare Rendite mit nicht mal fünf Prozent zu gering sei. Dabei hatte Ramsauer allerdings eine niedrigere Maut von 3,93 Euro für Pkw und 22 Euro für schwere Lkw zugrunde gelegt. Mit den neuen Zahlen soll ein Betreiber nun über die vorgesehene Projektlaufzeit von knapp 30 Jahren die angepeilte Rendite von zehn Prozent erreichen können. "Es klappt auf jeden Fall", sagte Ferlemann.
Damit die Investition sich für einen Betreiber rechnet, hat Ramsauer ferner von Anfang an geplant, die Hälfte der Baukosten als Anschubfinanzierung zu zahlen. Diesen Betrag von gut 600 Millionen Euro will er nicht auf die Länderquote für Verkehrsprojekte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen anrechnen. Das habe Ferlemann am Montag zugesagt, berichtete der Kieler Meyer. Im Gegenzug erklärten sich die beiden Länder bereit, die A20 einschließlich des Elbtunnels zügig weiter zu planen. "Bis 2014 wollen wir für alle Abschnitte Baurecht haben", sagte Meyer. Damit ist in seiner Landesregierung Streit programmiert: Die Grünen halten die Elbquerung für überflüssig und wollen die A20 an der A7 enden lassen.
Verzögern wird sich die Fertigstellung des Tunnels in jedem Fall: Ursprünglich sollte er 2020 fertig werden. Nun wird der Bau dann erst starten. Und die ersten Autos sollen nach Ramsauers Plänen 2025 durch den Tunnel fahren.

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