Tag der offenen Tür im Landtag : Luftballon-Massenstart am Sonntag wird zum Politikum

Fliegen nur, wenn der richtige Wind weht: Der geplante Ballonwettbewerb beim Tag der Offenen Tür im Kieler Landtag sorgt für Diskussionen.
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Fliegen nur, wenn der richtige Wind weht: Der geplante Ballonwettbewerb beim Tag der Offenen Tür im Kieler Landtag sorgt für Diskussionen.

Umweltschützer treten beim Kinderprogramm im Kieler Landtag auf die Spaßbremse.

shz.de von
10. Juli 2015, 17:52 Uhr

Kiel | Tag der Offenen Tür im Landtag – das geht natürlich nicht ohne Kinderprogramm. Schließlich will man die Mini- Staatsbürger möglichst früh in den Hort der Demokratie locken. Und womit lockt man die Kleinen: mit einem Luftballonwettbewerb, entschieden die Entscheider. Zugegeben: keine sehr originelle Idee für eventverwöhnte kleine Prinzen und Prinzessinen – aber zumindest gut gemeint. 1000 bunte Ballons sollen am Sonntag an der Förde aufsteigen. Wer sie nach der Landung findet und eine Karte zurückschickt nimmt an einem Gewinnspiel teil.

Soweit der Plan – doch jetzt melden sich Umweltschützer zu Wort und treten auf die Spaßbremse. Die bunten Ballons – so ihre Furcht – landen im Zweifelsfall im blauen Meer und nicht auf der grünen Wiese. Das Gewinnspiel fällt sozusagen ins Wasser. Dann aber mutiert das ganze bunte Spektakel zu einer staatlich verursachten Meeresverschmutzung.

Die Piraten sprangen gestern auf den Zug auf, und machen aus dem Ballon-Event ein Politikum. „Es ist nicht wirklich einleuchtend, wenn wir die Menschen auffordern auf Plastiktüten zu verzichten, während vor dem Landeshaus 1000 Ballons in Richtung Ostsee entlassen werden“, sorgt sich Piratenfrau Angelika Beer. Eine solche Aktion, die den Beschluss zur Vermeidung von Plastikmüll konterkariere, passe einfach nicht.

„Mir ist durchaus bewusst, dass eine kurzfristige Änderungen am Programm nicht besonders glücklich ist“, räumt Beer ein. Deshalb habe sie auch geprüft, ob es Ballons aus Naturmaterialien gibt, die biologisch abbaubar sind. Doch leider scheine es derzeit keine zufriedenstellende Alternative zu geben, da im Meerwasser die Verrottungswärme fehle und die Ballons nur sehr langsam zerfallen. „In der Zwischenzeit sind ihre Reste schwimmende Todesfallen: Delfine, Wale, Meeresschildkröten und Seevögel verwechseln sie mit Nahrung und verheddern sich, was einen langsamen und qualvollen Tod bedeutet“, warnt Beer. Deshalb bitte sie darum, den Luftballon-Wettbewerb abzusagen.

Spaßbremse? Wo die Frau recht hat, hat sie recht. Wer einmal mit Plastikbändern strangulierte Seehunde oder in Sixpack-Ringen erwürgte Vögel gesehen hat, weiß, dass jedes Plastikteil im Meer eins zu viel ist.

Das haben – mit einiger Verspätung – auch die Grünen erkannt und sich schamhaft von der Aktion distanziert. „Da machen wir nicht mit“. Zumal Grünen-Abgeordnete Marlies Fritzen gestern anlässlich des sozialen Tages mit Schülern Plastik am Travemünder Stand aufsammelte. „Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass es beim Tag der Offenen Tür keine Luftballonaktion geben würde. Immerhin wurde nun in einem Kompromiss vereinbart, dass bei ablandigem Wind keine Ballons steigen sollen“, so Fritzen.

Alle hoffen jetzt auf Petrus. Der Landtagspräsident wünscht sich von ihm auflandigen Wind, damit die Aktion steigen kann. Fritzen wünscht sich Gegenwind: „Angesichts der augenblicklichen Wetterlage (westliche Winde) gehe ich davon aus, dass die Aktion abgeblasen wird.“

Und die Piraten? Denen ist egal woher der Wind weht. Schleswig-Holstein sei schließlich meerumschlungen – irgendwie landen die Ballons immer im Wasser. Nur bei Wind aus Nord-Ost ist eine Land-Landung nicht unwahrscheinlich. Also die Ballons besser aus dem Programm nehmen!

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