Landesliste : Linke rangeln um Platz eins

Drei Bewerber ringen am Sonntag auf der Landesvertreterversammlung der Linken um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl.

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13. April 2013, 10:26 Uhr

Kiel/Berlin | In Schleswig-Holsteins Linkspartei wird es spannend: Sowohl die beiden jetzigen Abgeordneten Cornelia Möhring (53) aus Pinneberg und Raju Sharma (48) aus Eckernförde wollen auf Platz eins der Landesliste als auch der Student Marcel Mansouri (27) aus Kiel. Auf Platz zwei bewirbt sich der Flensburger Heinz-Werner Jezewski (55) - und vermutlich die Unterlegenen im Kampf um Platz eins. Ist Möhring darunter, stünde ihr wegen der Frauenquote ohnehin Platz zwei zu; Jezewski müsste verzichten.

Der Grund für das große Interesse am Spitzenplatz ist einfach: "Wir müssen davon ausgehen, dass die schleswig-holsteinische Linke nicht wieder zwei Abgeordnete nach Berlin schicken kann", sagt Möhring. Daher wird der Spitzenkandidat des Landesverbands wahrscheinlich zugleich der - oder die - einzige Nord-Linke im nächsten Bundestag sein.

Hoffnung auf sieben Prozent

Zwar macht Landesparteichef Jens Schulz seinen Leuten Mut: "Wir wollen wieder zwei Kandidaten nach Berlin bringen." Schulz hofft auf sechseinhalb bis sieben Prozent für Schleswig-Holsteins Linke - was wohl für zwei Abgeordnete reichen würde. Vor vier Jahren erzielte die Linke im Norden sogar fast acht Prozent. Doch angesichts des jüngsten Landtagswahlergebnisses von nur 2,3 Prozent und der zurückliegenden Querelen in der Partei räumt er ein: "Die Erwartung ist bei vielen, dass es nur einer schafft."

Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Zwar geht Mansouri nur "als Außenseiter" an den Start, meint Schulz. Doch zwischen Möhring und Sharma gilt das Rennen als offen - Schulz rechnet mit einer Stichwahl. "Beide haben gute Arbeit in Berlin geleistet", sagt er. Möhring war schon vor vier Jahren Spitzenkandidatin, ist stellvertretende Fraktionschefin im Bundestag und setzt sich vor allem für die Gleichstellung von Frauen ein. Sharma hat sich als religionspolitischer Sprecher profiliert und ist zudem Schatzmeister der Bundespartei.

Programm für die Kommunalwahl

Mansouri dagegen ist erst seit kurzem Mitglied der Linken und will frischen Wind hereinbringen. "Ich möchte eine Alternative bieten, damit nicht automatisch die beiden etablierten Kandidaten auf die ersten beiden Plätze gewählt werden müssen", sagt er. Mansouris Schwerpunkt ist die Europapolitik, die er "mit links-keynesianischen Vorschlägen" voranbringen will.

Einen Tag vor der Aufstellung der Landesliste wird die Linke außerdem am Sonnabend auf einem Parteitag in Kiel über ihr Programm für die Kommunalwahl am 26. Mai beraten. Mit einem guten Abschneiden in Schleswig-Holsteins Kreisen und Städten hofft Vorsitzender Schulz nicht zuletzt die Chancen für den 22. September zu verbessern: "Wenn wir bei der Kommunalwahl Erfolg haben, ist auch ein gutes Bundestagsergebnis drin."

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