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Böges Nachfolger : Liebing kommt, Callsen geht – die Nord-CDU im Umbruch

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Turbulente Zeiten in der Nord-CDU: Nach dem Rücktritt Böge als Landesvorsitzender kündigt am Samstag auch Fraktionsvorsitzender Callsen seinen Rücktritt an. Für Böge scheint ein Nachfolger gefunden zu sein.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2014 | 15:57 Uhr

Die CDU in Schleswig-Holstein stellt sich an der Spitze von Partei und Landtagsfraktion neu auf. Mit dem Rücktritt von Johannes Callsen als Fraktionschef nur wenige Tage nach dem Amtsverzicht von Landesparteichef Reimer Böge wurde ein weiterer Posten frei. Der 48-Jährige gab seine Entscheidung am Sonnabend bei einer Tagung von CDU-Spitzengremien in Rohlstorf im Kreis Segeberg bekannt.

Dort zeichnete sich ab, dass der Bundestagsabgeordnete und bisherige Landesparteivize Ingbert Liebing (51) mit großer Wahrscheinlichkeit neuer Chef der Nord-CDU werden dürfte. Er bekundete seine Bereitschaft zur Kandidatur. Im geschäftsführenden Landesvorstand und in einer Runde der Kreisvorsitzenden wurde er dazu aufgefordert.

Der scheidende Landesparteichef Böge (62), der aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder antritt, aber EU-Abgeordneter bleibt, lobte Liebings Erfahrungen auf verschiedensten Ebenen. Mit seinem Werdegang sei er geradezu prädestiniert für den Landesvorsitz. Liebing sitzt seit 2005 im Bundestag und ist seit einem Jahr kommunalpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Die Kreisvorsitzenden hätten Liebing in großer Einmütigkeit unterstützt, sagte deren Sprecher, der Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann.

Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, betonte Liebing. Weitere Bewerbungen seien möglich - am Sonnabend warf aber niemand seinen Hut in den Ring. „Das ist ein offenes Verfahren“, bestätigte Böge. Am kommenden Freitag wird vom erweiterten Landesvorstand ein formaler Wahlvorschlag erwartet. Am 15. November wählt dann ein Parteitag in Neumünster den neuen Vorsitzenden.

In einer Zeit, da die Landesregierung aus SPD, Grünen und SSW taumele, müsse die CDU volle Leistungsfähigkeit zeigen, sagte Liebing. Der gebürtige Flensburger hat auch im Landtag Erfahrungen gesammelt: Er arbeitete in den 90-er Jahren als Referent für die Fraktion und für den damaligen Fraktionschef Ottfried Hennig.

Der bisherige Landtagsfraktionschef Callsen begründete seinen Rücktritt damit, er wolle zu beitragen, dass sich die Nord-CDU insgesamt rechtzeitig vor der nächsten Landtagswahl neu aufstellen kann. Callsen stand innerparteilich und medial in der Kritik. Die Fraktion kommt am Sonntagnachmittag zu einer Sondersitzung zusammen.

Ob dann schon ein neuer Vorsitzender gewählt wird, blieb zunächst offen. Der Hochschulpolitiker Daniel Günther (41) oder Landtagspräsident Klaus Schlie (60) könnten Callsen beerben.

Die Landespartei mit ihren knapp 22.000 Mitgliedern vollzieht an der Spitze schon zum vierten Mal seit 2010 einen Wechsel: Damals übergab Peter Harry Carstensen den Staffelstab an Christian von Boetticher, der 2011 wegen einer Teenager-Affäre zurücktreten musste. Boettichers Nachfolger, Ex-Wirtschaftsminister Jost de Jager, gab im März 2013 aus Frust über mangelnden Rückhalt in der Partei auf. Im folgte Böge, der jetzt Herproblemen Tribut zollte.

Den personellen Umbruch an der Spitze von Partei und Fraktion nimmt die seit Frühjahr 2012 wieder oppositionelle Nord-CDU in schwerer Zeit vor. Als ernsthafte Alternative zu der ebenfalls schwächelnden Koalition aus SPD, Grünen und SSW tritt die Opposition im Landtag kaum in Erscheinung.

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