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Nachfolger für Böge und Callsen : Liebing ist der neue Liebling der Nord-CDU

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Partei hat einen neuen Vorsitzenden – fast. Ingbert Liebing soll die CDU führen, schon am Sonntag könnte auch ein Nachfolger für den am Samstag zurückgetretenden Fraktionschef Johannes Callsen gewählt werden.

Rohlstorf | Die Sonne scheint wieder ein bisschen für die Führung der CDU Schleswig-Holstein. Zumindest am Samstag als sich der scheidende Parteichef Reimer Böge und sein designierter Nachfolger Ingbert Liebing zum Fototermin ans Ufer des Wardersees (Kreis Segeberg) stellen, um bekannt zu geben, was der geschäftsführrende Landesvorstand und die Kreisvorsitzenden der Union ausbaldowert haben.

Er habe das nicht geplant, sondern nachdem Reimer Böge vor zwei Jahren Parteichef geworden war, seine Arbeit mehr auf Berlin konzentriert, sagt Liebing. „Aber nach den Gesprächen heute morgen und dem Anliegen der Kreisvorsitzenden, bin ich bereit mich dieser Aufgabe zu stellen“, sagt der 51-Jährige. Nur um hinterher zu schieben, dass eine endgültige Entscheidung über den Parteivorsitz ja noch nicht gefallen sei. „Es kann bis zum Parteitag am 15. November jederzeit einen weiteren Kandidaten geben. Das Verfahren ist offen“, sagt Liebing, der aber natürlich seit gestern weiß, dass kein Weg mehr an ihm vorbeiführt. Auf die Frage, was denn die drängendste Aufgabe eines neuen Parteichefs sei, sagt Liebing, dass der die Partei personell wieder voranbringen müsse, um der kriselnden Landesregierung entschlossen entgegentreten zu können.

Einer, der das nicht mehr in vorderster Linie tun wird, steht ein paar Schritte von Liebing entfernt. Der von vielen zuvor kritisierte Landtagsfraktionschef Johannes Callsen hat am Morgen das Handtuch geworfen, „um den Weg freizumachen, für eine personelle Neuaufstellung der CDU“, wie er sagt. Der Abgang Böges habe ihm die Entscheidung erleichtert. Callsen wirkt irgendwie befreit, als wäre eine Last von ihm gefallen. „Ich gehe davon aus, dass die Fraktion, die vermutlich überrascht sein wird, sich schnell auf einen neuen Vorsitzenden verständigen wird“, sagt Callsen – und zwar „auf jeden Fall vor der nächsten Landtagssitzung“. Die beginnt am Mittwoch.

Als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Fraktionschefs gilt weiter Daniel Günther. Der 41-Jährige ist der einzig jüngere Kandidat, dem Insider zutrauen, jene Rolle des Oppositionsführers auszufüllen, die Callsen nie hat annehmen können. Doch immer noch gibt es Christdemokraten, die Günther misstrauen, der die Partei während der sogenannten Lolita-Affäre um Parteichef Christian von Boetticher als Geschäftsführer vertrat. „Nicht immer loyal“, sei er da gewesen sagt einer aus der CDU – und das sei noch höflich ausgedrückt.

Ein anderer, der noch Außenseiterchancen auf den Fraktionsvorsitz hat, ist Ex-Innenminister Klaus Schlie. Der 60-Jährige gilt manchem in der CDU mit dem Posten als Landtagspräsident als unterfordert. Schlie will sich gestern dazu nicht äußern, sagt nur als er das Treffen in Warder verlässt: „Ich freue mich über die guten Entscheidungen, die wir getroffen haben.“

Die Personalprobleme der CDU Schleswig-Holstein sind damit nur ein bisschen gelöst. Über Inhalte oder eine Strategie wie man die Regierung in Kiel herausfordern will, sagt an diesem Tag kein CDU-Politiker etwas zu den Journalisten. Auch Reimer Böge nicht, der lieber seinen designierten Nachfolger preist. „Ingbert Liebing ist durch seine kommunal- und bundespolitische Erfahrung prädestiniert für den Job.“ Schon vor zwei Jahren hätte Böge gern zu Gunsten Liebings auf den Parteivorsitz verzichtet – wenn der denn damals gewollt hätte. Jetzt hat Liebing offenbar nicht mehr Nein sagen können.

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erstellt am 04.Okt.2014 | 18:33 Uhr

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