Landtag : Leukämie-Häufung soll weiter untersucht werden

Mit Hilfe von Experten will der Landtag herausfinden, warum in der Elbmarsch und in Geesthacht überdurchschnittlich viele Kinder an Leukämie erkranken.

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07. Juli 2008, 09:24 Uhr

Auf einen gemeinsamen Antrag konnte sich das Parlament am Donnerstag noch nicht einigen. Dies wollen die Fraktionen nun in weiteren Beratungen versuchen. CDU und SPD streben an, dass die Bundesregierung das Elbmarschgebiet zur Modellregion für die Aufklärung der Zusammenhänge erklärt und weitere medizinische Untersuchungen in Auftrag gibt.

"Dazu gehören auch Untersuchungen zu zeitlichen Zusammenhängen zwischen dem Auftreten der Leukämie im weitesten Sinne und dem Zeitraum vor der Inbetriebnahme, dem Normalbetrieb sowie den Zwischenfällen der kerntechnischen Anlagen", heißt es in dem Antrag der Koalitionsfraktionen. In der Gegend befinden sich das atomare Forschungszentrum GKSS in Geesthacht und das Kernkraftwerk Krümmel. Verbindungen zwischen möglichen Strahlungen aus diesen Anlagen und den Leukämiefällen werden seit Jahren vermutet, wurden bislang aber nicht bewiesen. Das bedeute aber nicht, dass das Gegenteil bewiesen wäre, betonte Gesundheitsministerin Gitta Trauernicht (SPD). Es gab bereits zahlreiche Untersuchungen dazu. Eine Bürgerinitiative vermutet, dass es vor rund 20 Jahren auf dem GKSS-Gelände einen Unfall gegeben hat. Damals sei erhöhte Radioaktivität gemessen worden.
Häufung von Leukämie in der Nähe von AKWs unbestreitbar
"Seit 1989 sind in der Elbmarsch und in Winsen 21 Kinder an Leukämie erkrankt. Vier von ihnen sind gestorben", sagte in der Debatte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Eine signifikante Häufung von Leukämie bei Kindern in der Nähe von Atomkraftwerken sei unbestreitbar. "Dies hat die jüngste Kinderkrebsstudie noch einmal überdeutlich nachgewiesen", betonte Stegner. "Je näher der Wohnort an einem AKW liegt, desto höher ist das Risiko für Kinder unter fünf Jahren an Krebs - hauptsächlich Leukämie - zu erkranken.

Scharf kritisierte Stegner die Forderung der Steinburger CDU nach dem Bau eines neuen Atomkraftwerks: "Das finde wohl nicht nur ich erschreckend und ich füge gerade für die SPD-Landtagsfraktion hinzu, dass dies niemals Wirklichkeit werden wird, solange wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten mit regieren". Die CDU- Abgeordnete Ursula Sassen warf Stegner vor, er habe unangebrachte Schärfe in die Debatte gebracht.
Unterstützung aus Niedersachsen
Sassen verwies darauf, dass aufgrund des aktuellen strahlenbiologischen und -epidemiologischen Wissens die von deutschen Kernkraftwerken im Normalbetrieb ausgehende ionisierende Strahlung grundsätzlich nicht als Ursache für die Leukämiehäufung interpretiert werden könne. Es müssten alle Erkenntnisse und Möglichkeiten aufgegriffen werden, um den Ursachen näherzukommen. "Unsere Aufgabe ist es, so lange Fragen nach den Ursachen zu stellen, bis die letzte noch offene Frage geklärt ist", meinte FDP-Fraktionsvize Heiner Garg.

Gesundheitsministerin Trauernicht bekundete ihr Mitgefühl nicht nur für die Betroffenen in der Elbmarsch, sondern auch für die insgesamt 300 Kinder, die seit 1990 im ganzen Land an Blutkrebs erkrankt seien. Trauernicht bedauerte, dass die Ursachenaufklärung im Fall Elbmarsch kaum vorangekommen sei.

Unterstützung für die Initiative des Kieler Landtags kam aus Niedersachsen. "Es ist immer positiv, wenn man auf nationaler Ebene neue Untersuchungsmethoden anschiebt", sagte der Sprecher des Sozialministeriums in Hannover, Thomas Spieker. "Wir sind alle an mehr Aufklärung interessiert." Im niedersächsischen Landtag laufe noch eine Expertenanhörung zu den Leukämiefällen. Schwerpunkt sei die Klärung der Frage, woher die millimetergroßen radioaktiven Kügelchen stammen, die 1986 im Boden gefunden wurden. Deren Herkunft blieb bislang unklar.

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