Stellenabbau : Lehrermangel: Eltern gehen auf die Straße

365 Lehrerstellen werden in SH abgebaut und einige Schulen bekommen Probleme, ihre Stundenpläne für das kommende Schuljahr zu erstellen. Die Eltern befürchten, dass es zu noch mehr Unterrichtsausfällen kommt und wollen demonstrieren.

shz.de von
03. Juni 2014, 19:41 Uhr

Kappeln | Die Demonstrationen heute in Kappeln, Satrup und Kropp (Kreis Schleswig-Flensburg) sollen nur der Auftakt sein. „Es geht uns darum, die Proteste im ganzen Land aufflammen zu lassen“, sagt Benita von Brackel-Schmidt, Vorstandsmitglied des Landeselternbeirats der Gemeinschaftsschulen. Anlass des Aufstands: Zum kommenden Schuljahr drohen spürbare Einschnitte bei der Unterrichtsversorgung an den weiterführenden Schulen in ganz Schleswig-Holstein. Grund ist der Abbau von 365 Lehrerstellen.

Die Folgen werden in diesen Tagen greifbar, nachdem die einzelnen Schulen erfahren haben, wieviel Personal bei ihnen gekürzt wird – und sie mit weniger Ressourcen die Stundenpläne für das Schuljahr 2014/15 erstellen. „Jetzt ist der Punkt erreicht, wo man nicht mehr sagen kann, dass die Kinder vollständigen Unterricht erhalten“, kritisiert von Brackel-Schmidt. Schulleiter von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien gehen davon aus, dass in der Mittelstufe pro Woche und Klasse vielfach zwei bis drei Stunden Unterricht weniger erteilt werden als derzeit. 14 Rektoren von Gemeinschaftsschulen im Kreis Schleswig-Flensburg haben in einem Brandbrief an die Eltern hochgerechnet: Diese Kürzung entspricht auf der Grundlage von 40 Schulwochen pro Jahr etwa 100 Unterrichtsstunden je Klasse, die von vornherein nicht erteilt werden. Das macht mehr als drei Unterrichtswochen pro Schuljahr.

„Die Bedingungen an den Schulen werden schlechter“, betont der Landesgeschäftsführer der Lehrer-Gewerkschaft GEW, Bernd Schauer. Ihr Landesvorsitzender reiht sich in die heutigen Demos ein, ebenso der Vorsitzende des Landeselternbeirats der Gymnasien. Auch für diese Schulart spricht der Chef des Philologenverbandes, Helmut Siegmon, von einem „GAU“.

Angaben dazu, wie viele Schulstunden ab August landesweit entfallen, lehnt das Bildungsministerium ab. Grund: Letzten Endes entscheidet der einzelne Schulleiter, wie er mit weniger Lehrerstunden umgeht. Der eine vergrößert die Klassen auf 30 Schüler, der andere verzichtet auf doppelte Lehrerbesetzungen wie sie vor allem an Gemeinschaftsschulen vorgesehen sind. Der nächste lässt ein Hauptfach nur noch vier statt fünf Stunden in der Woche unterrichten.

„Vor Ort gibt es nur die Wahl zwischen Pest und Cholera“, betont GEW-Geschäftsführer Schauer. „Das Ganze ist eine Belastung“, räumte Bildungsministerin Waltraud Wende am Dienstag in einem offenen Brief an die Landeselternbeiräte ein. „Aber die Schulämter und Schulen setzen die vorhandenen Lehrkräfte so effizient wie möglich ein.“ Wende verweist auf die Schuldenbremse für den Landeshaushalt. Diese zwinge ihr Ministerium, voraussichtlich bis zum Jahr 2016 Planstellen zu reduzieren.

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