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Interview : Landespastorin: Kirchenräume für Flüchtlinge nutzen

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Landespastorin Petra Thobaben spricht über die Suche nach Wohnraum für Asylbewerber und warnt vor Ablehnung gegenüber muslimischen Migranten.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 06:46 Uhr

Flensburg | Angesichts des wachsender Flüchtlingszahlen suchen Land, Kreise und Kommunen händeringend nach Wohnraum in Schleswig-Holstein. Landespastorin Petra Thobaben, Chefin des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein, spricht sich deshalb dafür aus, Migranten auch in Räumen der Diakonie und der Kirche unterzubringen.

Frau Thobaben, was muss getan werden, um Flüchtlinge stärker zu integrieren?
Als Landesverband sind wir in der Koordinierung, in der fachlichen Begleitung und Beratung der Flüchtlingsstellen aktiv. Davon ist die Arbeit mit Migrantinnen und Migranten zu unterscheiden.

Sie betreiben nicht selbst eine Sammelunterkunft?
Nein, das Diakonische Werk als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege betreibt keinerlei Einrichtungen für Flüchtlinge. Aber unter unserem Dach haben wir Mitglieder, in der Regel die Kirchenkreis-Diakonien, die das machen. Die sind mit der Erstaufnahme und Verfahrensberatung für Flüchtlinge vertraut. Die entscheidende Frage für die Diakonie und die Nordkirche hier in Schleswig-Holstein ist, ob man Lösungen findet, dass die Unterbringung von Flüchtlingen eben nicht in Sammelunterkünften stattfindet.

Das heißt, dass Flüchtlinge dezentral untergebracht werden.
Natürlich dezentral. Ich halte das für sehr wichtig.

Kann man das schaffen?
Das ist bei der Begrenztheit von vorhandenem Wohnraum, der auch bezahlbar ist, natürlich schwierig. Politik, Kirche und Diakonie müssen jetzt miteinander ins Gespräch gehen und die Frage beantworten: Gibt es Möglichkeiten, kirchliche und diakonische Gebäude so zu nutzen, dass Flüchtlingsfamilien oder Einzelpersonen dort untergebracht werden?

Zu solchen Gesprächen wäre das Diakonische Werk bereit?
Das Diakonische Werk wäre dazu bereit. Die Kirchenkreis-Diakonien denke ich auch. Und was ich wirklich mit Freude gehört habe: Wir haben ja einen Wechsel im Aufsichtsratsvorsitz unseres Werkes. Bischof Magaard ist jemand, der die Frage der Flüchtlinge ganz oben auf seiner Agenda angesiedelt hat, so dass man künftig mit Akteuren von Kirche, Diakonie und mit der Politik zu Gesprächen kommen kann. Ziel muss es sein, dass Flüchtlinge nicht in Zelten untergebracht werden.

Glauben Sie, dass es damit auch zu weniger Spannungen zwischen der Bevölkerung und den entsprechenden Aufnahmeeinrichtungen kommt?
Das denke ich. Wobei man kritisch sagen muss: Die Bevölkerung ist zum Teil sehr ablehnend gegenüber allen, die anders und fremd sind. Flüchtlinge rufen keine Freude hervor, wenn man ihnen in einem Stadtteil oder einem Ortsteil eine Unterkunft anbietet.

Hat diese abnehmende Toleranz gegenüber Flüchtlingen zugenommen?
Ich würde sagen, die rechtspopulistischen Parteien schüren ein gewisses Maß an Ängsten. Das ist eine Tendenz, über die sich Politik, Kirche und Gesellschaft nicht nur Gedanken machen, sondern auch Handlungsoptionen erarbeiten müssen. Ich halte es für eine ganz gefährliche Sache, wenn wir Menschen eindimensional wahrnehmen. Die Terrormiliz Islamischer Staat ist eine pervertierte Form des Islam, die die gemäßigten Kräfte egal welcher Religion desavouiert. Wir dürfen muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger gedanklich nicht in so einen Topf werfen.

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