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Reform des Medizinstudiums : „Landarztquote“ soll Ärztemängel auf dem Land eindämmen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt neue Kriterien für die Zulassung zum Medizinstudium. Bei einer Maßnahme ist Schleswig-Holstein noch skeptisch.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2017 | 09:37 Uhr

Berlin/Kiel | Bund und Länder wollen in der Arztausbildung die Allgemeinmedizin stärken und mehr Landärzte für schlecht versorgte Gebiete gewinnen. Dazu haben sich die Gesundheits- und Kultusminister jetzt nach langem Ringen auf eine grundlegende Reform des Medizinstudiums samt einem „Masterplan 2020“ geeinigt. Beim spektakulärsten Schritt machen allerdings weder Schleswig-Holstein noch die meisten anderen Länder mit: Die neu vorgesehene „Landarztquote“ will zunächst nur Bayern einführen.

In Schleswig-Holstein plant nahezu jeder vierte Haus- und Facharzt, in den nächsten fünf Jahren seine Praxis aufzugeben. Der daraus resultierende Ärztemangel in der Fläche ist nur schwer zu kompensieren.

„Aus meiner Sicht kommt eine Landarztquote erst dann in Betracht, wenn alle anderen Maßnahmen die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung nicht gewährleisten können“, sagte am Dienstag die Kieler Gesundheits- und Wissenschaftsministerin Kristin Alheit dem sh:z. Denn die Quote sei „schwer umzusetzen“. Mit der Landarztquote sollen Hochschulen zehn Prozent der Medizin-Studienplätze an Bewerber vergeben können, die sich verpflichten, nach der Ausbildung bis zu zehn Jahre lang in Gebieten zu arbeiten, in denen Ärztemangel herrscht.

Außerdem wollen Bund und Länder es mit ihrem Masterplan ermöglichen, dass neben der Abi-Note oder der Bereitschaft, als Landarzt zu arbeiten, weitere Kriterien für die Zulassung zum Medizinstudium herangezogen werden dürfen – vor allem soziale und kommunikative Fähigkeiten oder Erfahrungen in arztnahen Berufen. Auch an der Organisation des Studiums soll sich einiges ändern. So werden die Studenten früher als bisher an die Patienten und die Berufspraxis herangeführt. Die Unikliniken sollen zudem vermehrt Hospitäler in ländlichen Gebieten als Lehrkrankenhäuser einbinden. Und: Jede Medizinfakultät soll künftig einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin einrichten. An Schleswig-Holsteins beiden medizinischen Hochschulen in Kiel und Lübeck gibt es die bereits.

Ferner hofft SPD-Ministerin Alheit, die ärztliche Versorgung in dünn besiedelten Regionen wie der Westküste dadurch sicherstellen zu können, dass die Arbeitsbedingungen für Landärzte verbessert werden – etwa durch familienfreundliche Arbeitszeitmodelle oder Ärztezentren wie das Vorzeigeprojekt in Büsum. Dort ist ausnahmsweise die Gemeinde Träger der eingerichteten Praxen und entlastet die Ärzte so vom unternehmerischen Risiko.

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