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Warnung vor Wildunfällen : Längere Schonzeiten – Jäger wollen klagen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kritik an den verlängerten Schonzeiten für Wild: Der Landesjagdverband warnt vor mehr Wildunfällen und Schäden in den Wäldern – und will vor Gericht ziehen.

Rendsburg/Kiel | Der Dialog hat nicht gefruchtet, jetzt nehmen die Jäger Robert Habeck aufs Korn. Sie wollen gegen die neue Jagd- und Schonzeitenverordnung klagen, die der grüne Umweltminister erlassen hat. Die Änderungen sind drastisch: Jungwild darf in den Sommermonaten und im Februar nicht mehr geschossen werden, auf andere Tierarten wurde die Jagd ganz verboten.

Marcus Börner, Sprecher des Landesjagdverbands: „Wir sehen in der Verkürzung der Jagdzeiten und der Vollschonung einen Eingriff in das verfassungsrechtlich garantierte Eigentumsrecht, für den in der Verordnung keine tragfähige Begründung vorgelegt wurde.“

Die Jäger haben ein breites Bündnis geschmiedet: Die Klage wird vom Landesjagdverband, dem Arbeitskreis Jagdgenossenschaften und Eigenjagden im Bauernverband, dem Waldbesitzerverband und der Arbeitsgemeinschaft Grundbesitz unterstützt. Der Initiative angeschlossen hat sich sogar der Deutsche Fischerei-Verband, der Verband der Binnenfischer und Teichwirte sowie der Landesfischereiverband bekunden ihre Solidarität.

In Schleswig-Holstein wachsen nach Angaben des Landesjagdverbands seit Jahren die Bestände von Schalenwild (Rehe, Wildschweine, Rot- und Damwild). Die Folge: hohe Verbissschäden in den Wäldern und durch Wildschweine verwüstete Ackerflächen. „Wir können nicht effektiv jagen, wenn wir weniger Jagdzeiten zugestanden bekommen“, sagt Börner und warnt: „Als Folge der Verordnung wird es mehr ökologische und wirtschaftliche Schäden geben. Auch die Zahl der Wildunfälle dürfte steigen.“ Besonders scharf kritisieren die Jäger die wegfallenden Sommermonate. Für sie sei dies die beste Zeit, um für einen ausgeglichenen Bestand zu sorgen, weil das Wild gut sichtbar in Wiesen und Feldern stehe. „Jäger sind doch stets darauf bedacht, die Zahl der Tiere auf einem für Mensch und Natur optimalen Niveau zu halten“, betont der Präsident des Landesjagdverbandes, Klaus-Hinnerk Baasch. Aber offenbar reichten die Vorurteile von schießwütigen Jägern bis in die Politik.

Das Umweltministerium weist diesen Vorwurf zurück. „Es geht um den Schutz der Artenvielfalt, um die es in Schleswig-Holstein nicht gut bestellt ist“, sagt Robert Habeck. Rechtlich sei man auf der sicheren Seite. „Das Landesjagdgesetz erlaubt es, Jagdzeiten zu verkürzen oder aufzuheben, wenn Tierarten selten und in ihrem Bestand bedroht sind – oder sehr leicht mit anderen Arten verwechselt werden können, die vom Aussterben bedroht sind“, erklärt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel. Mit der Verordnung würden etliche seltene Tierarten geschützt wie etwa Rebhuhn, Fasanenhennen, Sturmmöwe oder Saatgans, für die nun eine ganzjährige Schonzeit gelte.

Belegt habe das Ministerium seine Entscheidung mit sorgfältigen artenschutzfachlichen Prüfungen. „Die Unterstellung der Verbände, dass die Einschränkungen ohne besondere Gründe erfolgt seien, ist nicht zutreffend.“

Doch was ist mit den Schäden, die das Wild anrichtet, wenn die Bestände weiter wachsen? Das Umweltministerium sieht darin kein Problem. Kabel: „Die Jagdbehörden können weiterhin Abschüsse außerhalb der Schonzeiten bewilligen, wenn es zur Verhinderung übermäßiger Wildschäden erforderlich ist.“ Solche Einzelfreigaben halten die Jäger jedoch für eine “bürokratische Aufblähung ohne Not“. Marcus Börner beklagt: „Der Minister hat uns ganz klar zu verstehen gegeben, dass die Verordnung sein politischer Wille sei. Unsere Argumente wurden nicht berücksichtigt.“

Wie ein Traumland muss den schleswig-holsteinischen Jägern angesichts der vertrakten Lage Niedersachsen vorkommen. Dort hat Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) die geplante Jagdzeitverkürzung auf Schalenwild nach scharfer Kritik gestern wieder gekippt. „Wir sind schließlich eine Regierung, die zuhört und Argumente ernst nimmt“, sagte er.

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erstellt am 13.Sep.2014 | 15:00 Uhr

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