Nach Lindners Rücktritt : Kubicki "überrascht und fassungslos"

Wolfgang Kubicki. Foto: dpa
Wolfgang Kubicki. Foto: dpa

Christian Lindners Rücktritt entfacht in der FDP eine neue Führungsdebatte. "Das können wir überhaupt nicht gebrauchen", sagt der Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki im sh:z-Interview.

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16. Dezember 2011, 08:34 Uhr

Seit Monaten steckt die FDP im Umfragekeller - jetzt wirft der Generalsekretär hin.
Mich hat der Rücktritt überrascht und fassungslos gemacht. Eine nachvollziehbare Begründung sehe ich nicht. Noch am Montag hat Christian Lindner im Bundesvorstand dynamisch für einen Aufbruch der FDP geredet.
Uun will Lindner seinen Platz räumen, um gerade "neue Dynamik zu ermöglichen". Was meint er wohl?
Da Christian Lindner zu den dynamischsten Persönlichkeiten in der Spitze meiner Partei gehört hat, kann ich nicht erkennen, was er meint. Mir drängt sich auch ad hoc niemand auf, der ihn ersetzen könnte.
Steht die FDP vor einer neuen Führungsdebatte um Parteichef Philipp Rösler?
Das liegt in der Logik solcher Rücktritte. Christian Lindner weiß, dass bis zum Wochenende intensiver als bisher die Frage gestellt werden wird, ob die neue Führung insgesamt geeignet ist, die FDP aus der Krise zu führen. Diese Debatte wird sich natürlich auch auf den Parteivorsitzenden richten. Das allerdings können wir überhaupt nicht gebrauchen.

Die FDP ist mit hohen Ansprüchen in die Bundesregierung eingetreten. Was ist davon geblieben?
An Wählererwartung praktisch gar nichts; es ist historisch einmalig, in der Wählergunst von fast 15 auf drei Prozent abzurutschen - und das ohne eine momentan greifbare Perspektive, aus diesem Tal des Jammers herauszukommen. Ich selbst bin auch enttäuscht, weil ständige Rufe aus Schleswig-Holstein in der Vergangenheit von der Parteiführung ignoriert worden sind.
Sie meinen die Position der Nord-FDP, den Atomkonsens nicht aufzukündigen?
Da hätte man auf uns hören sollen. Unsere Freunde im Bund haben uns dafür erst einmal gerügt. Nach Fukushima kam die Kehrtwende. Aber das ist nicht alles. Ich habe Anfang 2010 erklärt, dass die FDP sich bei der Frage der Regulierung der Finanzmärkte positionieren muss. Ich bin damals gescholten worden, das schaffe noch mehr Unruhe. Heute ist das Standard unseres Programms.
Hat die FDP zu viel taktiert oder haben es Westerwelle und Rösler verbockt?
Man kann das Problem nicht an einzelnen Personen festmachen. Unser Fehler war, sich in dem Glauben, die 15 Prozent bei der Bundestagswahl seien in Stein gemeißelt, mit uns selbst zu beschäftigen. Statt uns den Problemen der Menschen zuzuwenden, haben wir uns Führungsdebatten geleistet. In keiner Sachfrage aber dokumentieren wir nach außen einen kompetenten Sachvorschlag.

Ist die FDP noch zu retten? Wenn ja, wie und mit wem?
Ich bin 41 Jahre in dieser Partei und habe viele Höhen und Tiefen miterlebt. In der FDP steckt viel Kraft. Ich bin sicher, wir kommen aus dem Jammertal heraus. Das geht aber nur mit einer wirklichen Teamleistung.
In der Riege der FDP-Landespolitiker gelten Sie als einer der profiliertesten Köpfe. Warum helfen Sie nicht aus?
Diese Frage habe ich heute auch aus meiner Partei schon mehrfach gehört. Man kann aber nicht zwei Dinge erledigen. Ich werde mich auf den Erfolg bei der Landtagswahl konzentrieren. Dann ist auch meiner Partei geholfen.

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