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Kreisverband Stormarn : Krude Thesen zum „Dritten Reich“: AfD setzt Kreischef ab

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dirk Helms ist als Kreischef der AfD in Stormarn zurückgetreten. Grund ist eine umstrittene Rede über Nationalsozialismus.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 07:49 Uhr

Stockelsdorf | Dieser Vortrag ging der AfD-Landesführung zu weit. Der Zweite Weltkrieg? Für den bisherigen Sprecher des AfD-Kreisverbandes Stormarn, Dirk Helms, war der – entgegen aller seriösen Forschung – nicht von Hitler geplant. Die Alliierten hätten „erbarmungslose Propaganda“ betrieben. Die seien es auch gewesen, die im Konzentrationslager Dachau nachträglich Gaskammern gebaut hätten – um zu täuschen. Und ein ehemaliger KZ-Überlebender, wollte Helms wissen, habe Schülern eine ausgedachte Geschichte erzählt, habe jedoch nie ein KZ von innen gesehen.

Vergangene Woche hielt Helms seinen Vortrag über die „deutsche Selbstwahrnehmung“ in Stockelsdorf. Das liegt im Kreis Ostholstein, wo die AfD zur Europawahl 7,8 Prozent geholt hatte. Am Wochenende berichteten die „Lübecker Nachrichten“ über den Auftritt. Seit gestern ist Helms nicht mehr AfD-Funktionär. Die Landesführung wollte den Mann schnell loswerden, den man parteiintern als „honorigen und integren Mitstreiter für die Sache der Alternative für Deutschland kennengelernt“ habe. So jedenfalls textete der Landesverband seine „energische Distanzierung vom Vortrag Dr. Helms“. Ein letztes Treffen im Kreisvorstand Stormarn – das war’s für Helms, dessen Rauswurf am Abend als Rücktritt „mit großem Bedauern“ daherkam, „um Schaden von der AfD abzuwenden.“ Niemals habe er Geschichte verfälschen wollen.

Im Landesvorstand waren sie „kalt erwischt“ worden vom „revisionistischen Weltbild“ des Parteifreundes, sagt AfD-Landessprecher Jürgen Joost: „Wir dachten, wir haben solche Probleme nicht.“ Ganz zu Anfang der AfD, räumt Joost ein, da habe es drei Fälle von Leuten mit NPD-Vergangenheit gegeben im Landesverband. Die seien aber „schnell bereinigt“ worden. Und heute? Man sei nicht gefeit davor, dass sich in der „zweiten und dritten Reihe“ auch „harmlose Spinner, Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten“ wiederfänden – Leute, die „mal sehen wollen, was so geht“ in einer neuen Partei.

Ehemalige Mitglieder rechtsextremer Parteien wie NPD oder DVU nehme die AfD schon nach der Satzung nicht auf, versichert Joost. Wer eine solche Vergangenheit verschweigt, riskiere „den sofortigen Rauswurf ohne jedes Parteiordnungsverfahren“. Und Ex-Mitglieder der Hamburger Schill-Partei oder der Republikaner, die der AfD beitreten wollten? Mit denen führe man „Einzelgespräche“ und entscheide dann über eine mögliche Aufnahme. „Mehr können wir nicht tun“, um die Partei „im Einklang zu halten“ mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

850 Mitglieder hat die AfD in Schleswig-Holstein derzeit. Tendenz laut Joost: Weiter steigend. Und auch Helms wird wohl Mitglied der Alternative bleiben. Eine Handhabe zum Parteiausschuss gebe es nicht. 2017 will die AfD zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein antreten.

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