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Wendes umstrittene Lehrerausbildung : Krisengipfel in Kiel – Opposition fordert Entlassung

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bildungsministerin verzichtet endgültig auf Rückkehrrecht an die Uni Flensburg. Am Dienstag lädt Waltraud Wende die Spitzen der Universitäten Flensburg und Kiel zu einem Krisengipfel ein.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2014 | 07:06 Uhr

Kiel/Flensburg | Im Streit um die Reform der Lehrerbildung erhöht die Opposition im Landtag ihren Druck auf Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). CDU und FDP forderten gestern die Entlassung von Bildungsministerin Waltraud Wende. Die Koalition wies das zurück, spricht von einer Kampagne.

Auslöser ist eine Vereinbarung, nach der sich Wende im Mai 2012 kurz vor ihrem Wechsel ins Kabinett vom Präsidium der Uni Flensburg ein Rückkehrrecht an die Hochschule sichern wollte – als Professorin mit eigenem Lehrstuhl, den sie als damalige Uni-Präsidentin noch gar nicht hatte.

Die Opposition schäumt, die FDP-Fraktion wittert den „üblen Geruch von Vetternwirtschaft“. Im Zuge der von Wende geplanten Reform der Lehrerbildung soll die Uni Flensburg mit Millionen-Investitionen ausgebaut werden. Zahlreiche neue Professorenstellen sollen geschaffen werden. Die Uni Kiel protestiert massiv, fürchtet um ihre Finanzausstattung.

Nachdem Wende – offenbar auf Druck von Albig – am 17. April schriftlich erklärte, auf das Rückkehrrecht verzichten zu wollen, bat die Ministerin die Uni Flensburg am Montag, den damaligen Beschluss aufzuheben. „Diesen Wunsch werden wir erfüllen,“ sagte eine Sprecherin der Hochschule. Die seinerzeitige Absichtserklärung der Hochschule habe Frau Wende „die Unabhängigkeit in der Politik gewährleisten“ sollen wie sie auch andere Berufstätige genössen.

Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben nannte die Entscheidung der Bildungsministerin „richtig“. Wende trete so dem Eindruck entgegen, sich einseitig für einen Standort einzusetzen. Wendes Schritt „ändert gar nichts“, konterte CDU-Hochschulexperte Daniel Günther. Die Ministerin bemühe sich „um Schadensbegrenzung“ bei einem „zutiefst fragwürdigen Vorgang“, assistierte FDP-Fraktionsvize Christopher Vogt. „Diese Frau hat offenbar keinerlei politisches Gespür“, sagte Vogt am Dienstag. Beide Politiker hielten an der Forderung nach dem Rücktritt Wendes fest. „Das Maß ist wirklich voll“, sagte Vogt. Je länger Albig an seiner Ministerin und deren „unterirdischen Gesetzentwurf“ festhalte, „umso schwerer lastet diese Krise auch auf ihm“.

Die FDP fordert komplette Akteneinsicht zu der geplanten Reform der Lehrerbildung. Wende müsse ihre Vereinbarung mit der Uni Flensburg veröffentlichen, sagte Vogt. Ex-Minister Ekkehard Klug (FDP) nannte die Vereinbarung rechtswidrig. Sie widerspreche den Vorgaben zur Besetzung von Professorenstellen. Wende war vor ihrem Wechsel in das Kabinett Präsidentin der Uni Flensburg. „Es glaubt doch niemand, dass sie frei in ihrem politischen Vorgehen ist“, sagte Vogt.

Die CDU will die Vorgänge am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde des Landtags debattieren. Auch Albig will dabei reden.

SPD-Fraktionschef Ralf Stegner stellte sich hinter Wende und warf der Opposition eine „Kampagne ohne jeden Anstand“ gegen Wende vor. Wendes Verzicht auf ein Rückkehrrecht ehre die Ministerin. SSW-Frontmann Lars Harms sagte, der Vorwurf, Wende gehe bei der Lehrerbildung Eigeninteressen nach, sei „geradezu absurd.“ Die Ministerin sorge dafür, dass die Uni Flensburg eine vernünftige Ausstattung bekomme.

Wende will unterdessen den gordischen Knoten durchschlagen und empfängt deshalb am Dienstag (12.30 Uhr) die Spitzen der Universitäten Flensburg und Kiel. Gesucht wird eine einvernehmliche Lösung im Streit um die Aufteilung der künftigen Lehrerausbildung an den beiden Standorten. Ziel sei es, den heftigen Streit um die Reform der Lehrerausbildung beizulegen, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium. Vorangegangen waren Einzelgespräche.

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