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Nach Friesenhof-Skandal : Kontaktverbote, Strafsport, Freiheitsentzug: Schwere Vorwürfe gegen Jugendheime

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Politikern aus SH und Hamburg liegen Informationen vor, nach denen es noch mehr Misshandlungen gegeben haben soll.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2016 | 19:06 Uhr

Kiel | Nach dem Skandal um die Friesenhof-Heime soll es auch in anderen Jugendheimen Misshandlungen gegeben haben. Die Piraten im schleswig-holsteinischen Landtag und die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft berichteten am Dienstag von Hinweisen auf Missstände in Einrichtungen zweier Träger im nördlichen Schleswig-Holstein. Ihnen lägen zahlreiche Berichte von Trägern, Angehörigen und betroffenen Kindern vor, die Missstände nahe legten, teilten die beiden Fraktionen in Hamburg mit.

Die Skandale um die Jugendeinrichtungen „Friesenhof“ und „Haasenburg“ hatten bundesweit Schlagzeilen gemacht. Berichte von Jugendlichen, die über lange Zeit systematisch gedemütigt, erniedrigt und drangsaliert wurden, hatten zur Schließung der beiden Heime und zur Bildung eines Untersuchungsausschusses im Schleswig-Holsteinischen Landtag geführt.

Demnach geht es konkret um die Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe Dithmarschen sowie um das Therapiezentrum Rimmelsberg in Groß Jörl (Kreis Schleswig-Flensburg). Zu den Vorwürfen gehörten etwa zu Boden drücken, Kontaktverbote, Strafsport und Freiheitsentzug. „Beide Einrichtungen werden nach meinem Kenntnisstand spätestens seit letzten Sommer durch die Heimaufsicht intensiv beaufsichtigt“, sagte Sozialministerin Kristin Alheit (SPD). Sie habe ihr berichtet, dass die Vorwürfe überprüft worden seien. „Durch das Einschreiten der Heimaufsicht konnten Mängel abgestellt werden.“ Sie sei auch informiert worden, „dass diverse Vorwürfe sich nicht bestätigt haben“, sagte die Ministerin. So seien viele der oben genannten Vorwürfe bereits Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens gewesen. „Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt, weil der Verdacht nicht erhärtet werden konnte“, sagte Alheit.

Nach der Erklärung von Linke und Piraten bleibe aber unklar, ob dort Informationen vorlägen, die der Heimaufsicht bisher nicht mitgeteilt wurden. „Selbstverständlich wird die Heimaufsicht jede Information sorgfältig prüfen und alle erforderlichen Konsequenzen ziehen, falls weitergehende Vorwürfe sich bestätigen sollten“, sagte die Ministerin weiter.

Im vergangenen Sommer hatten unter anderem Berichte von Jugendlichen, über Demütigungen und Drangsalierungen durch das Personal zur Schließung des „Friesenhofes“ und zur Einrichtung eines Untersuchungsausschusses im schleswig-holsteinischen Landtag geführt.

Es war die Linke in Hamburg, die die Vorwürfe gegen zwei Heime der Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ öffentlich gemacht und den Stein ins Rollen gebracht hatte. In den „Friesenhof“-Einrichtungen waren auch Mädchen aus der Hansestadt untergebracht. „Die politisch Verantwortlichen in Kiel und Hamburg versprachen, die Ereignisse aufzuarbeiten und die Mängel in den Einrichtungen abzustellen“, sagte der Piraten-Abgeordnete Wolfgang Dudda. „Doch wie es scheint, hat sich überhaupt nichts geändert.“

„Dabei muss endgültig Schluss gemacht werden mit der Methode ,Schwarze Pädagogik' in vermeintlich offenen Einrichtungen“, forderte die Co-Vorsitzende der Linksfraktion, Sabine Boeddinghaus.

Erniedrigungen, Isolierungen, Strafsport, Kontaktsperren und erniedrigende Verhaltenszüchtigungen hätten keinen Platz in der Kinder- und Jugendarbeit. „Wir erwarten, dass die Jugendämter bereits vor der Belegung die pädagogischen Konzepte der Einrichtungen prüfen und bewerten müssen.“

In den jetzt beschuldigten Einrichtungen arbeiten auch ehemalige Mitarbeiter des „Friesenhofes“. Sie sollen sich - so der Vorwurf - auch an ihren neuen Arbeitsplätzen an „zweifelhaften pädagogischen Methoden beteiligt haben“. Der Geschäftsführer der Heilpädagogischen Kinder-und Jugendhilfe Dithmarschen, Frank Hunting, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe den „Friesenhof“ verlassen, gerade weil er die dortige pädagogische Arbeit nicht habe mittragen wollen.

Sein Haus arbeite eng mit der Heimaufsicht zusammen. Der Geschäftsführer des Therapiezentrums Rimmelsberg war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

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