Befristete Lehrerverträge : Kommentar: Teure Einsparungen

Irgendwann rächt sich der Sparkurs: Lehrer ist für viele junge, talentierte Abiturienten kein attraktiver Beruf mehr.
Irgendwann rächt sich der Sparkurs: Lehrer ist für viele junge, talentierte Abiturienten kein attraktiver Beruf mehr.

Nicht immer ist Geiz geil: Wer jungen Menschen den Lehrerberuf durch schlechte Verträge vermiest, wird langfristig eine teure Rechnung bekommen. Ein Kommentar von Kathrin Emse.

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03. Mai 2015, 14:36 Uhr

Kiel | Das Dilemma des Landes ist klar: Auf der einen Seite muss es – dringend – sparen. Auf der anderen ist – nicht zuletzt durch die bisherigen Einsparungen – die Personaldecke bei den Lehrern so knapp, dass der Unterricht ausfällt, sobald jemand krank wird oder in Elternzeit geht. Das aber kann und darf nicht sein. Die Lösung des Landes: Zeitarbeitsverträge, mit deren Hilfe die vorübergehenden Personal-Lücken von wenigen Tagen bis zu einigen Monaten gestopft werden. Das sichert Unterricht und spart ungemein.

Schließlich muss nur gezahlt werden, was auch wirklich an Leistung erbracht wird. Eine Praxis, die auch bei angestellten Lehrern geübt wird, die über die Sommerferien gerne mal entlassen und somit ans Arbeitsamt übergeben werden, nur um sie zum neuen Schuljahr wieder einzustellen. Auch das spart.

Auf lange Sicht aber könnte dies das Land teuer zu stehen kommen. Denn mit einer Einstellungspraxis, bei der die Mitarbeiter zum Teil Verträge erhalten, die gerade mal eine Woche währen und bei der einige Lehrer in kürzester Zeit auf bis zu 30 Einzelverträge kommen, entpuppt sich das Land als mieser Arbeitgeber. Dies ist eine Vorgehensweise, die so manch Politiker, würde sie von einem Unternehmen praktiziert, als „Ausbeutung“ anprangern würde. In der Tat gefährdet das Land mit dieser Taktik seinen Ruf als Arbeitgeber.

Denn junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens können sich so keine gesicherte Zukunft mit festem Wohnort und Familie aufbauen. Sie werden sich – wie sogar vom Ministerium angeraten – in anderen Bundesländern umsehen. Damit aber werden die Guten gehen. Eine bessere Lösung sind Verträge als Feuerwehrlehrkräfte. Fest angestellt über zwei Jahre lässt es sich durchaus planen – aber eben nicht so schön sparen.

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