Reform der Lehrerausbildung : Koalition will Gesetz im Juli verabschieden

Das umstrittene Gesetz soll im Juli verabschiedet werden.
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Das umstrittene Gesetz soll im Juli verabschiedet werden.

Trotz aller Kritik will die Koalition am Zeitplan der Reform der Lehrerausbildung festhalten. Bereits im Juli wollen SPD, Grüne und SSW den Gesetzentwurf beschließen. Experten forderten im Bildungsausschuss aber Nachbesserungen.

shz.de von
25. Juni 2014, 16:35 Uhr

Kiel | SPD, Grünen und SSW wollen ihre umstrittene Reform der Lehrerausbildung trotz massiver Kritik bereits im Juli im Landtag verabschieden. „Davon gehe ich derzeit weiter aus“, sagte der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat am Mittwoch am Rande einer Anhörung des Bildungsausschusses. Dort hatten Experten von Verbänden und Hochschulen in einer ganztägigen Sitzung Nachbesserungen an den Plänen von Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) verlangt. Der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Daniel Günther, warf den Regierungsfraktionen vor, „das völlig untaugliche Gesetz im Schatten der Begeisterung über die Fußball-WM durch das parlamentarische Verfahren zu peitschen“. Die schwerwiegenden Mängel des Gesetzes und die damit verbundenen Probleme könnten unmöglich bis zur Landtagssitzung in zwei Wochen korrigiert werden, erklärte Günther in Kiel.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Rasmus Andresen, sagte, die Anhörung mache deutlich, dass es auf die Ausgestaltung des Gesetzes ankomme. „Wir Grüne nehmen die sehr konstruktiven Stellungnahmen aus den Anhörungen ernst und werden in den nächsten Tagen entscheiden, welche wir inwieweit in das Gesetz einfließen lassen.“ Wende will die Lehrerausbildung im Sekundarbereich vereinheitlichen. Auch der Praxisanteil an der Lehrerausbildung soll zunehmen. Umstritten sind vor allem die Regelungen zum geplanten Praxissemester und Finanzierung der Reform.

Kritiker der Reform warnen unisono vor der Schaffung teurer Doppelstrukturen an den Universitäten Kiel und Flensburg. „Dieser Gesetzentwurf ist weder ordnungsgemäß, noch wirtschaftlich“, sagte Ulrich Eggeling, Senatsmitglied des Landesrechnungshofes, im Ausschuss. Er sieht noch eine Finanzierungslücke bei der Umsetzung der Reform. „Nach unseren Berechnungen fehlen 20 Millionen Euro.“  Vertreter der Kieler Christian-Albrechts-Universität lehnten den sogenannten Einheitslehrer ab. „Nicht jeder Lehrer kann alles machen, der Einheitslehrer würde in die Mittelmäßigkeit führen“, sagte Uni-Präsident Lutz Kipp. Notwendig sei eine Profilbildung der Lehramts-Studenten. Er forderte eine Expertenkommission, um Mängel abzustellen und eine zweite Anhörung im Ausschuss. „Wenn man eine Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal bauen will, kann man sich auch nicht erst hinterher um die Statik kümmern.“ 

Der Präsident der Uni Flensburg, Werner Reinhart, betonte dagegen, „wir haben keinen Grund, auf Zeit zu spielen“. Die Studenten und Lehrenden bräuchten Sicherheit. Uni-Vizepräsident Jürgen Schwier räumte allerdings Probleme ein, „wenn wir unsere komplette Kohorte von 800 Studenten aus Kiel und Flensburg an 150 Schulen mit Oberstufen verteilen müssen“. An der Uni Flensburg sollen künftig Sekundarlehrer bis zur Klasse 13 in elf Fächern ausgebildet werden. Bei den Naturwissenschaften bleibt es bei der Ausbildung von Lehrern mit Abschluss Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10). Darauf hatten sich beide Unis nach erbittertem Streit Mitte Mai mit dem Ministerium verständigt.

Auch mehrere Lehrerverbände wehren sich gegen die Reformpläne. „Es gibt einen erheblichen Nachbesserungsbedarf“, sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Helmut Siegmon. Er fügte hinzu: „Wir lehnen den Einheitslehrer ab.“ Bei diesem für die Bildung wichtigen Gesetz müsse der Grundsatz Sorgfalt vor Eile gelten. Die Landesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Anke Schwitzer, kritisierte: „Uns fehlt eine realistische Einschätzung, was dieses Gesetz kostet.“

Auch CDU und FDP lehnen die Reform ab. Sie sprechen von Pfusch und warfen Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) Fahrlässigkeit vor, weil der Gesetzentwurf nicht seriös geprüft worden sei. Für eine rasche Verabschiedung des Gesetzes sprach sich dagegen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Ausschuss aus. „Trotz aller Kritik an Einzelpunkten ist das Gesetz grundsätzlich notwendig“, sagte Landeschef Matthias Heidn.

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