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Multiresistente Erreger : Klinik-Keime: Mehr Infektionen in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gegen multiresistente Erreger sind Anibiotika machtlos. In Schleswig-Holsteins Kliniken steigen die Erkrankungen an. shz.de zeigt die MRE-Fälle in den Kreisen auf einer Karte.

Wer ins Krankenhaus geht, will gesund entlassen werden. Doch immer öfter stecken sich Patienten erst in der Klinik mit gefährlichen multiresistenten Erregern (MRE) an, gegen die selbst hochpotente Antibiotika nicht mehr helfen. Experten sind sich sicher, dass die Zahl der Infektionstoten in Deutschland deutlich höher liegt, als das Gesundheitsministerium zugibt. Statt 7500 bis 15.000 Tote gebe es tatsächlich „30.000 bis 40.000 Todesfälle, wahrscheinlich weit mehr“, sagt Professor Walter Popp von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Für Schleswig-Holstein liegen jetzt erstmals Zahlen über sogenannte MRE-Fälle vor. An der Spitze liegen Lübeck und der Kreis Steinburg mit zehn und neun Fällen pro 1000 Patienten. In den Kreisen Plön, Pinneberg und Rendsburg-Eckernförde liegt die Quote nicht einmal halb so hoch. Die Daten stammen aus dem Jahr 2013 und wurden von einem Recherche-Team der Wochenzeitschrift „Die Zeit“, Zeit Online und dem Journalismusbüro Correct!V auf Basis der Abrechnungsdaten der Krankenhäuser erhoben. Dabei stellte sich heraus, dass die MRE-Infektionen im nördlichsten Bundesland zuletzt dramatisch gestiegen sind – in Neumünster etwa um 84 Prozent, im Herzogtum Lauenburg sogar um 113 Prozent.

 

Eine mögliche Erklärung dafür liefert der Kieler Infektiologe Helmut Fickenscher: „Wer nicht nachschaut, hat auch kein Problem“, sagt der Uni-Professor. Lange Zeit sei die Gefahr verharmlost und verdrängt worden. „Erst neuerdings wird gesucht und gefunden.“ Beispiel Klinikum Itzehoe: Jeder zehnte aufgenommene Patient wird getestet. Das sei zwar teuer, sagt Klinikdirektor Bernhard Ziegler. „Ein Schnelltest kostet 30 Euro, zwei sind pro Patient Standard.“ Doch es lohnt sich: „Wir hatten in den letzten Jahren keinen Ausbruch“, freut er sich. Laut Fickenscher gehören zur Risikogruppe auch alle, die in der Tierzucht und Mast tätig sind. Dass in Puten-, Schweine- und Rinderbeständen die gleichen Antibiotika zum Einsatz kommen wie beim Menschen, rächt sich jetzt. Forscher fordern daher weniger Antibiotika-Einsatz in Human- und Veterinärmedizin sowie strenge Hygiene in Kliniken und Küchen.

Nach einer bundesweiten und repräsentativen Forsa-Umfrage sind in Deutschland Kindergartenkinder die Spitzenreiter im Antibiotika-Verbrauch. 41 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen erhielten im vergangenen Jahr Antibiotika, weil sie  Ohrenschmerzen, eine Bronchitis oder  Erkältung hatten.

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erstellt am 19.Nov.2014 | 19:53 Uhr

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