zur Navigation springen

Infrastruktur : Klimawandel bedroht Verkehrswege in Hamburg und SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gleis-Unterspülungen, Kanal-Hochwasser, Asphaltblasen – die Erderwärmung schlägt bald auf die Infrastruktur durch.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 20:14 Uhr

Kiel | Die Folgen der Erderwärmung drohen ab Mitte dieses Jahrhunderts die Funktionstüchtigkeit der Verkehrswege in Deutschland stark zu beeinträchtigen. Das geht aus dem neuen Fortschrittsbericht der Bundesregierung zur deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel hervor. In Norddeutschland wird es demnach öfter als bisher zu Unterspülungen von Bahnlinien kommen. Am Nord-Ostsee-Kanal drohen vermehrt Hochwasser und Überschwemmungen. Die Elbe samt Hamburger Hafen wird voraussichtlich noch stärker verschlicken als heute schon. Und bundesweit häufen sich wegen längerer Hitzeperioden womöglich Aufbrüche im Straßenasphalt – die „Blow ups“.

Auch Autofahrern droht wegen der Erderwärmung Ungemach. So ist zu befürchten, dass es in ganz Deutschland wegen der bald häufigeren und heißeren Hitzetage öfter zu den gefährlichen „Blow ups“ im Asphalt kommt – Aufbrüche oder Aufwölbungen, die die Fahrbahn zerstören.

Wie es in dem Bericht an den Bundestag heißt, werden „wichtige Bahnstrecken um die Jahrhundertmitte infolge von großflächigen Überschwemmungen möglicherweise auch in Küstennähe über nicht tolerable Zeiträume hinweg nicht voll funktionsfähig sein“. Schon nach dem letzten Elbehochwasser in 2013 war die viel befahrene Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover-Berlin so stark beschädigt, dass sie fast ein halbes Jahr gesperrt werden musste. Die wachsende Gefahr von Gleis-Unterspülungen beunruhigt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bereits so stark, dass der CSU-Politiker nun zusammen mit der Deutschen Bahn festlegen will, „welche Ausweichstrecken langfristig zur Abpufferung dieser Ereignisse erhalten bleiben müssen“.

Für den Nord-Ostsee-Kanal hat Dobrindts Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sogar schon mit Simulationen künftiger Risiko-Szenarien begonnen. Am Kanal drohen ab Mitte des Jahrhunderts wegen stärkerer Regenfälle und gleichzeitig häufigerer Sturmfluten vermehrt „Hochwasser und Überschwemmungen im Binnenbereich“, wie es im Regierungsbericht heißt. Dadurch könne es „zu Sperrungen der Schifffahrt oder auch der Querverkehre“, also der Fähren, kommen. So mussten erst vor zwei Monaten viele Fähren ihren Betrieb wegen lang anhaltenden Regens einschränken.

Damit das nicht bald öfter passiert, lässt Dobrindt gerade Simulationsprogramme entwickeln, deren Zweck es sei, „die Wasserbewirtschaftung im Nord-Ostsee-Kanal durch längere Vorwarnzeiten und eine bessere Koordination der Schöpfwerke zu optimieren“. Zudem soll mit ihnen sichergestellt werden, dass die geplanten Aus- und Umbauten am Kanal „klimarobust“ erfolgen, also an den bevorstehenden Wandel angepasst werden.

Auch an der Elbe drohen Probleme. Mit dem zu erwartenden Anstieg des Meeresspiegels werde der Flutstrom von der Nordsee in die Elbe noch stärker als heute, während der Ebbestrom in die umgekehrte Richtung nicht so sehr zunehme,heißt es in einer gesonderten Studie aus Dobrindts Ressort. „Dadurch erhöht sich der stromaufgerichtete Sedimenttransport“ – im Hamburger Hafen wird also noch mehr Sand ankommen als heute schon; die millionenteuren Baggerarbeiten zur Beseitigung des Schlicks müssten verstärkt werden. Schlimmer noch: Laut der Studie könne es „unter sehr ungünstigen Annahmen zu vermehrten Überschreitungen von Schadstoff-Richtwerten im Baggergut kommen“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen