CCS : Klimakiller soll unter die Nordsee

Auf dem Festland und im Watt kann Schleswig-Holstein die Einlagerung von CO2 verhindern - nicht aber weiter draußen im Meer. Darauf stellt sich die Wirtschaft jetzt ein.

Avatar_shz von
19. April 2011, 12:45 Uhr

Kiel/Berlin | Die Kieler Landesregierung hat sich zwar mit Erfolg gegen eine unterirdische Einlagerung von Kohlendioxid in Schleswig-Holstein gewehrt. Doch die CCS-Technik (CCS steht für Carbon Capture and Storage) ist damit keineswegs vom Tisch. Nach Informationen des sh:z stellt sich die Energiebranche darauf ein, das in Kohlekraftwerken in großen Mengen entstehende Treibhausgas CO2 nun unter dem Meeresgrund der Nordsee zu bunkern. Der von der Bundesregierung forcierte Atomausstieg schafft dabei neuen Handlungsdruck.
Nach Auskunft des Bundesamtes für Naturschutz ist die Lagerung von CO2 sogar unter Schutzgebieten für Flora und Fauna (FFH-Gebiete) möglich. Schleswig-Holstein kann die CO2-Speicher im Nationalpark Wattenmeer nur in der Zwölf-Seemeilen-Zone vor der Küste verhindern - nicht aber in der außerhalb des eigenen Hoheitsgebietes liegenden "Ausschließlichen Wirtschaftszone". Dort bestimmt der Bund - und der hält sich in dieser Frage bislang bedeckt. Die energiewirtschaftliche Sprecherin der Grünen, Ingrid Nestle, ist alarmiert: "Wir wollen ein Gesetz, das die Einlagerung im Meer ganz verhindert."
Was kostet der Atomausstieg?
Unterdessen streiten Atom-Gegner und -Befürworter über die Kosten der Energiewende ohne Kernkraft. Experten von Union und FDP beziffern die Kosten für einen raschen Ausstieg aus der Kernenergie allein bis 2015 auf rund 16 Milliarden Euro. Der Betrag ergebe sich unter anderem aus stärkerer Förderung von Windparks und Gebäudesanierungen sowie einem beschleunigten Netzausbau. Hinzu komme weniger Brennelementesteuer. Unions-Fraktionsvize Michael Meister rechnet mit höheren Strompreisen für den Verbraucher.
Greenpeace argumentierte dagegen, würden alle Kosten und Förderungen einberechnet, sei Atomstrom doppelt so teuer wie Wasserkraft. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte, selbst nach Zahlen des Wirtschaftsministeriums werde jeder deutsche Haushalt im Falle des Atomausstiegs nur mit 1,50 Euro pro Monat zusätzlich belastet.
(shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen