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Reise des Ministerpräsidenten : Klein und klug: Albig will von Estland lernen

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Estland gehört zu den fortschrittlichsten Ländern weltweit, wenn es ums Internet geht. Dort ist der "Bürger der Big Brother, der alles sieht".

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2013 | 09:48 Uhr

Tallinn | Wie rückständig sein Land sein kann, das erfährt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig am vierten Tag seiner Reise durch die drei baltischen Länder in Tallinn (Estland). Er ist zu Gast bei Anna Piperal, die ihm vorstellt, warum Estland in der Nutzung des Internets zu den fortschrittlichsten Nationen weltweit gehört - und zu den transparentesten. Mit ein paar Mausklicks zeigt die Projektleiterin Albig, wie groß das Haus des estnischen Ministerpräsidenten Andrus Ansip ist. Und auf einem Satellitenbild kann Albig auch erkennen, wo es liegt. Schnell macht er ein Foto mit seinem Smartphone und hört dann den Satz, der ihm an diesem Tag besonders gefällt: "Bei uns ist der Bürger der Big Brother, der alles sieht."
Jeder Este hat das Recht auf kostenloses Internet. Dazu können die Esten ihre Wahlstimme per SMS abgeben - und bis zum Wahltermin immer wieder ändern. Sie können online auf ihre Krankenakten zugreifen, selbst Schuleschwänzen ist für Kinder schwierig, weil die Eltern von den Lehrern übers Netz darüber informiert werden können, dass ihre Kinder nicht in der Klasse sind. Albig nennt die estnische E-Gesellschaft ein Modell. Und er sagt: "Wenn wir nicht aufpassen, sind wir alte Welt."

Estland will digitalen Markt kreieren


Schon am Tag zuvor hat Estlands Ministerpräsident Ansip Albig erklärt, wo er die Chancen seines Landes sieht: "Unser Ziel ist es, einen digitalen Markt zu kreieren", sagt er im Anschluss an ein Gespräch mit der Delegation im Beratungsraum seines Kabinetts, in dem Papierverbot herrscht, weil alles, was dort besprochen wird, digital weiter verarbeitet wird.
Welche Vorteile kleine Länder haben können, hat Albig da schon Parlamentspräsidentin Ene Ergma erklärt. Und Albig sagt danach brav zu den Journalisten: "Seht her, Kleinheit ist allein kein Nachteil, wenn man sie mit Klugheit verbindet." Albig geht damit besonders auf die raschen Veränderungen der letzten Jahre in dem kleinsten der baltischen Länder ein, das es mit knapp der Hälfte der Einwohnerzahl Schleswig-Holsteins zu einem "Musterschüler der EU" gebracht hat, wie der deutsche Botschafter Christian Matthias Schlager sagt. "Das Land hat gezeigt, dass man in einer Krise nicht verzweifeln muss", sagt Albig. "Wir sind klein, aber flexibel", ergänzt die Parlamentspräsidentin. Albig ist erstaunt ob der Selbstverständlichkeit, mit der die Gesellschaft sich digitalisiert. "Die Hindernisse werden hier ignoriert, das finde ich beeindruckend." Vielleicht findet er bald ja auch sein Haus im Internet.
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