Bertelsmann-Index zur Kinderbetreuung : Kitas und Krippen in SH: Trotz Kraftakt viel Luft nach Oben

Das Land müsste laut Empfehlung fast 100 Millionen Euro investieren. Bisher ist Schleswig-Holstein nur Mittelmaß.

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28. August 2018, 20:27 Uhr

Gütersloh/Kiel | Schleswig-Holstein hat einen Kraftakt vollbracht und so viele Kitaplätze  geschaffen wie kaum ein anderes  Bundesland. Trotzdem schneidet das Land im am Dienstag veröffentlichten Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung nicht gut ab. „Die Qualität der Krippen in Schleswig-Holstein – gemessen an der Entwicklung der Personalschlüssel – verbessert sich seit Jahren nur geringfügig“, heißt es darin.

Kamen 2012 rechnerisch 4,0 ganztags betreute Krippenkinder auf eine Fachkraft, waren es im vergangenen Jahr 3,7 Kinder. In den Ü3-Gruppen sieht es besser aus –  hier verringerte sich die  Kinderzahl von 9,1 auf 8,4 Kinder pro Fachkraft. Die  Bertelsmann Stiftung sieht trotzdem bei der pädagogischen Personalausstattung im Norden weiterhin Ausbaubedarf. Um diesen zu realisieren, müssen zusätzlich 1580 Vollzeitkräfte rekrutiert und weitere 72 Millionen Euro jährlich bereitgestellt werden.

Doch es gibt auch Lob: Fast 85 Prozent der Kitaleitungen bekommen heute Stundenkontingente  für Führungsarbeit gutgeschrieben. Um dies allen Kitas  zu ermöglichen, werden laut Ländermonitor weitere 373 Vollzeit-Leitungskräfte benötigt. Kostenpunkt: 21 Millionen Euro pro Jahr.

Bundesweit hat sich laut Monitor die Kita-Qualität  verbessert. „Die Kluft zwischen den Ländern ist allerdings geblieben“, so Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Bereits seit 2014 ist Baden-Württemberg beim Personalschlüssel sowohl im Krippen- (1 zu 3,1) als auch im Kindergartenbereich (1 zu 7,1)  Spitzenreiter. Schlusslicht bei den Kleinsten ist Sachsen (1 zu 6,4). Bei  älteren Kindern hat Mecklenburg-Vorpommern mit  1 zu  13,4 die ungünstigsten Werte.

Auch innerhalb der Bundesländer zeigt sich ein Qualitätsgefälle. So liegt der Personalschlüssel im Kita-Bereich in Dithmarschen bei 1 zu 7,2, in Nordfriesland hingegen bei 1 zu 9,7. Mit diesem Gefälle liegt der Norden im Vergleich der Flächenländern im Mittelfeld. Im Krippenbereich ist die Betreuungssituation einheitlicher. Während in Dithmarschen 3,3 Krippenkinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es in Neumünster 4,1 Kinder.

Dräger bedauert, dass es  keine Bestrebungen gibt, bundesweit einheitliche Qualitätsstandards für Kitas festzulegen, denn nur so könnten gleiche Bildungschancen für alle Kinder und faire Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte unabhängig vom Wohnort sichergestellt werden. Er  schlägt vor,  die Bundesmittel gemessen an der Anzahl der Kinder in Kita-Betreuung zu verteilen. Schleswig-Holstein würde danach 2021 und 2022 jährlich 64 Millionen Euro erhalten.

„Die Studie bestätigt unseren Kita-Kurs: Qualität steigern, Eltern und Kommunen entlasten“, erklärte gestern Sozialminister Heiner Garg (FDP). Bis 2022 will er 481 Millionen Euro zusätzliche Mittel   in den Kitabereich investieren, die SPD  hingegen spricht von „reiner Symptombekämpfung“.  Mittlerweile sei  nur noch von einer Deckelung der Elternbeiträge die Rede und  nicht von deren Abschaffung. Die Gewerkschaft GEW weist auf die ständigen Überforderungen des Personals hin. „Viele kehren deshalb ihrem Beruf den Rücken“, warnt GEW-Landeschefin  Astrid Henke.

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