Erzieher in kommunalen Einrichtungen : Kita-Dauerstreik könnte bis in die Sommerferien reichen

Rund 1500 Mitarbeiter kommunaler Kitas in SH demonstrieren vor dem Holstentor in Lübeck.
Rund 1500 Mitarbeiter kommunaler Kitas in SH demonstrieren am Dienstag vor dem Holstentor in Lübeck.

Tausende Erzieher sind in Hamburg und Schleswig-Holstein weiter im Ausstand. Die Streikbereitschaft ist laut Gewerkschaften ungebrochen. Der Arbeitskampf könnte sich noch sehr lange hinziehen.

shz.de von
19. Mai 2015, 12:45 Uhr

Kiel | Der Dauerstreik in den Kindertagesstätten in Norddeutschland könnte bis zu den Sommerferien Mitte Juli fortgesetzt werden. „Wir streiken so lange bis etwas in den Verhandlungen weitergeht - das könnte auch bis in die Sommerferien hineinreichen“, sagte der Sprecher von Verdi-Nord, Frank Schischefsky in Kiel.

Die Gewerkschaften Verdi und GEW fordern eine finanzielle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe unter anderem durch eine höhere Eingruppierung. Nach Darstellung der kommunalen Arbeitgeber sind die Forderungen nicht bezahlbar. Sie würden auf Gehaltssteigerungen um zehn Prozent hinauslaufen. In einer Urabstimmung hatten sich weit mehr als 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen.

Auch in Hamburg könnte sich der Streik noch wochenlang bis zu den Ferien hinziehen. „Es ist nicht auszuschließen, dass bis Juli gestreikt wird“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Hilke Stein in Hamburg.

Die Streikbereitschaft ist laut Gewerkschaften auch in der zweiten Woche ungebrochen. „Wir haben uns auf einen langen Arbeitskampf eingerichtet.“ Es gebe keine Anzeichen, dass es zu einem baldigen Angebot der Arbeitgeber kommt.

Die Gewerkschaften Verdi und GEW würden auch nach zehn Tagen Streik keine Verhandlungsbereitschaft von Seiten der Arbeitgeber sehen. „Der Ball liegt eindeutig bei den Arbeitgebern“, sagte der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Bernd Schauer. Deswegen werde der unbefristete Streik im Norden auf jeden Fall auch nach Pfingsten fortgesetzt.

Am Dienstag hatten sich in Hamburg rund 2000 Erzieher an einer Kundgebung beteiligt und zogen mit Transparenten und Trillerpfeifen vom Gänsemarkt durch die Innenstadt bis zum Gewerkschaftshaus. In Lübeck hatten am Dienstagnachmittag Eltern und Kinder eine Demonstration angekündigt.

Der Landeselternausschuss Hamburg (LEA) unterstützt die Ziele der Erzieher, fordert aber ein Augenmaß bei den Streiks. „Mit jedem Tag wächst die Belastung der Eltern, und mit jedem Tag wächst auch die Schwierigkeit der Eltern, ihre Kinder unterzubringen“, sagte Björn Staschen, Vorstand LEA. Es gebe immer noch viele Eltern, die den Streik richtig finden, weil sie es richtig finden, dass Erzieher besser bezahlt werden. „Ich kann aber nicht ausschließen, dass die Stimmung auch kippt, wenn der Streik immer weiter und weiter geht.“ Seit der vergangenen Woche haben nach Angaben der Gewerkschaften in Schleswig-Holstein etwa 1500 Erzieher in rund 130 kommunalen Einrichtungen die Arbeit niedergelegt. In Hamburg beteiligen sich rund 2000 Erzieher, bis zu 25.000 Kinder sind von dem Ausstand betroffen.

Verdi und GEW fordern für die bundesweit 240.000 Beschäftigten eine bessere Eingruppierung - im Schnitt geht es etwa um 10 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände lehnt jedoch pauschale Erhöhungen ab, hat aber Verbesserungen bei der Eingruppierung bestimmter Tätigkeiten angeboten.

Lübecker Eltern und Kinder haben am Dienstag in der Hansestadt für ein rasches Ende des Streiks demonstriert. Nach Polizeiangaben versammelten sich etwa 75 Eltern und Kinder auf dem Markt, um von dort vor das Rathaus zu ziehen. Viele Kinder hatten Tröten und Trillerpfeifen mitgebracht. Einige trugen Schilder mit der Aufschrift „Ich will wieder in die Kita“. „Der Streik stellt viele Eltern vor kaum lösbare Probleme. Wer seine Kinder nicht bei Freunden oder Verwandten unterbringen oder mit zur Arbeit nehmen kann, muss Urlaub nehmen“, sagte die Sprecherin der Stadtelternvertretung Lübeck und Landeselternvertretung Schleswig-Holstein, Levke Stenman. „Ich habe zwar Verständnis für die Forderungen der Erzieherinnen, aber der Streik muss schnell ein Ende haben“, sagte Demonstrationsteilnehmerin Nina Merten.

„Unsere Kita wird seit dem 8. Mai voll bestreikt. Die Eltern haben eine Notbetreuung organisiert, aber für berufstätige Eltern ist das keine verlässliche Lösung“, sagte die Mutter von vierjährigen Zwillingsmädchen. Die Tarifpartner müssten schnell zu einer Einigung kommen, forderte sie. In Lübeck werden nach Angaben Stenmans 28 städtische Kitas bestreikt.

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