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Längere Öffnungszeiten : Kinderbetreuung in SH: Die 24-Stunden-Kita kommt

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In Flensburg ist die Übernacht-Betreuung von Kindern bereits möglich. Das Angebot soll in SH keine Ausnahme bleiben.

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erstellt am 20.Apr.2015 | 12:26 Uhr

Kiel/Flensburg | Den richtigen Kita-Platz finden – für Eltern, die im Schichtdienst arbeiten kann das zum Problem werden. Öffnungszeiten rund um die Uhr? In Schleswig-Holstein Fehlanzeige. „Ein Antrag auf Betriebserlaubnis liegt der Heimaufsicht derzeit noch nicht vor“, heißt es in der Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage von Katja Rathje-Hoffmann (CDU). Die frauenpolitische Sprecherin der Fraktion kritisiert, dass 24-Stunden-Betreuung in Kitas derzeit nur in Ausnahmefällen möglich sei. „Beispielsweise für im Schichtbetrieb arbeitende Eltern und Alleinerziehende muss es ein solches Angebot geben“, sagte die Landtagsabgeordnete unserer Zeitung.

Knapp acht Prozent der Betreuungseinrichtungen in Schleswig-Holstein bieten Öffnungszeiten vor sieben Uhr an. Und nur ein Prozent der Kitas im Norden haben laut Kinder- und Jugendhilfe auch nach 18 Uhr geöffnet. „Für Berufstätige im Einzelhandel, der Gastronomie oder in Gesundheitsberufen ist das fern der Realität“, so Rathje-Hoffmann. Frauen seien dabei besonders betroffen.

Rückenwind erfährt diese Einschätzung vom Deutschen Gewerkschaftsbund Nord. „Wir gehen davon aus, dass der Bedarf besonders in größeren Städten da ist, denn der Anteil an Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit steigt seit Jahren kontinuierlich“, sagte die zuständige Abteilungsleiterin Lisanne Strake. In Schleswig-Holstein seien jedoch schon vielen Familien geholfen, wenn in der Regel eine Kita-Öffnungszeit von sechs bis 18 Uhr gelten würde. Straske verweist nach Mecklenburg-Vorpommern. In Schwerin öffne demnächst bereits die zweite 24-Stunden-Kita.

Zum Vorreiter entwickelt sich hierzulande Flensburg. Zwei Träger wollen Tatsachen schaffen. „Schon jetzt ist die Betreuung über Nacht bei uns möglich“, sagt Anette Schnoor, Sprecherin von Adelby 1. Der Träger bietet in Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen der Fördestadt eine „Kinderbetreuung für die Wirtschaft“ an. Die Kita öffnet je nach Bedarf der Eltern flexibel. Aktuell kommen die ersten der 50 Kinder morgens um 5.40 Uhr und die letzten werden um 21.30 Uhr abgeholt. Eine Betreuung über Nacht sei möglich, aber bislang nicht nachgefragt, so Schnoor: „Schlafplätze und Personal sind für den Fall da.“

Auch die betriebseigene Kindertagesstätte des Flensburger Diakonissenkrankenhauses möchte in Zukunft Nachtbetreuung anbieten. „Viele unserer Mitarbeiter arbeiten im Drei-Schicht-System. Für ihre Kinder wollen wir eine kontinuierliche Begleitung gewährleisten“, so Oberin Hannelore Balk. An der Umsetzung arbeite die Einrichtung mit dem Kieler Sozialministerium zusammen. Die Arbeitszeiten verändern sich und viele Tätigkeiten werden in die Nacht verlegt. Bedarf für eine 24-Stunden-Betreuung sei also vorhanden: „Sonst müssten sich Tagesmütter um die Kinder kümmern oder Familienmitglieder einspringen. Häufige Wechsel bringen da immer Unsicherheiten mit sich und die Kinder müssen sich ständig umstellen“, so Balk.

Das Sozialministerium hat jüngst Empfehlungen für die Genehmigung von Nachtbetreuung erarbeitet. Das Land unterstütze Kitas, die sich auf wandelnde Bedarfe der Eltern einstellen, so Pressesprecher Christian Kohl: „Ziel ist es, eine gute Balance zwischen gesellschaftlicher Anforderung und den Bedürfnissen von Kindern nach Kontinuität und Stabilität zu finden.“ Maßgeblich ist für das Angebot demnach die Zumutbarkeit für Kinder. So soll ein Übernachtungskind bis spätestens 18.30 Uhr gebracht und am nächsten Morgen zwischen sieben und acht Uhr aus der Kita abgeholt werden. Bei Eltern, die in Nachtschichten arbeiten, wird diese Zeit auf maximal zwölf Uhr ausgedehnt.

Die Träger müssen zudem möglichst wenig Personalwechsel gewährleisten. Betreuung über Nacht komme der Empfehlung zufolge nur in Frage, „wenn die berufliche und familiäre Situation der Eltern keinen anderen Spielraum lässt.“ Das Ministerium nimmt deshalb auch Arbeitgeber in die Pflicht, mit ihren Arbeitszeiten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sorgen.

„Viele Unternehmen haben sich in Schleswig-Holstein auf eine gute Work-Life-Balance ausgerichtet“, sagte Sebastian Schulze, Geschäftsführer des Unternehmensverbands UVNord. Eine flexiblere Kinderbetreuung sei trotzdem notwendig, um gerade die Erwerbsquote von Frauen zu steigern. Die Hauptarbeitszeit in Schleswig-Holstein liege zwischen sechs und 21 Uhr. Eine 24-Stunden-Betreuung sei deshalb nur eine Nische für Kitas an Orten, wo Unternehmen vermehrt Nachtschichten anbieten. Auch im Einzelhandel müssen Angestellte bei den Arbeitszeiten flexibler sein, bestätigt Monika Dürrer, Geschäftsführerin vom Einzelhandelsverband Nord in Kiel: „Das man für die Randzeiten bis 22 Uhr eine Kinderbetreuung findet, ist nicht selbstverständlich.“

Mit Missverständnissen haben Träger in Flensburg bereits erste Erfahrungen machen müssen. „Es ist nicht so, dass Kinder 24 Stunden abgeschoben werden“, erklärt Adelby-1-Sprecherin Schnoor. Die maximalen Betreuungszeiten sind gesetzlich vorgegeben. „Der 24-Stunden-Gedanke soll Eltern entlasten und ihnen mehr Zeit mir ihren Kindern ermöglichen.“

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