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Kiwo 2014 : Kieler Woche ohne russische Marine – große Politik?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit dem Einlaufverbot für eine russische Fregatte dreht die Politik die Eskalationsspirale im Konflikt unnötig nach oben. Dabei ist die Kieler Woche ein Fest der Völkerverständigung. Ein Kommentar von Peter Höver.

Kiel | Die Kieler Woche steht für Völkerverständigung. Die Ukraine-Krise tut das nicht. Doch kann das ein Grund sein, einem Schiff der russischen Marine die Genehmigung zur Teilnahme an dem maritimen Großereignis zu versagen? Das Bundesverteidigungsministerium sieht das so. Das Auswärtige Amt auch. „Wegen der aktuellen politischen Lage“ hat Berlin die russische Fregatte „Boiky“ ausgeladen. „Große Politik“ nennt man das. Getragen ist sie vom Beschluss des Nato-Rates, die militärische Zusammenarbeit mit russischen Streitkräften auf Eis zu legen.

Im Juni 1994 lief erstmals ein russisches Kampfschiff zur Kieler Woche in die Förde ein. Zuvor hatte die Fregatte mit US-Streitkräften an einem Manöver in der Ostsee teilgenommen. Die Übung war Teil des Programms „Partnership for Peace“. Die Politik der russischen Regierung hat diese Partnerschaft unstrittig belastet.

Wenn aber Außenminister Frank-Walter Steinmeier ungeachtet der in der Nato verabredeten Sanktionen immer wieder davor warnt, an der Eskalationsspirale zu drehen: Warum sollten friedliche Kontakte zwischen russischen Soldaten und ihren Gastgebern in Schleswig-Holstein nicht möglich sein? Die Kieler Woche ist kein militärisches Manöver. Sie bringt seit mehr als 100 Jahren Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, ist eine Plattform für Begegnungen, die sonst kaum möglich wären. Der Kieler Propst Lienau-Becker hat Recht. Berlin sollte sein Nein überdenken – es ist als „Sanktion“ untauglich, wirkt in der Sache mehr als lächerlich und ist im Sinne der Verständigung kontraproduktiv.

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