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Lehrerausbildung : Kieler Uni empört über Ministerin Wende

vom

Kiels Uni-Präsident Fouquet geht auf Konfrontationskurs: Er fühlt sich von Wissenschaftsministerin Wende wegen der künftigen Lehrerausbildung hintergangen – und sieht einen Versuch, die Existenzfähigkeit der Universität auszuhöhlen.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 20:12 Uhr

Kiel | Einen Tag nach der Vorstellung der künftigen Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein durch Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) hat der Kieler Uni-Präsident Gerhard Fouquet massive Vorwürfe erhoben und Konsequenzen angekündigt. „Wir sind gestern von den Verlautbarungen des Ministeriums kalt erwischt worden“, kritisierte Fouquet am Dienstag in Kiel. Nach den Plänen der Ministerin wird die Uni Flensburg in der Lehrerausbildung erheblich ausgebaut - zum Nachteil Kiels.

Ministerin Wende zeigte sich von der Kritik überrascht und irritiert. Sie habe Fouquet am Donnerstag über alles vorab informiert, teilte das Ministerium am Abend mit. Der Kieler Uni-Präsident habe bei dem Gespräch nicht erkennen lassen, dass er Probleme sehe.

Die Entscheidung, an der Universität Flensburg in erheblichem Umfang den Fächerkanon zu erweitern und in Millionenhöhe Infrastrukturen in den Naturwissenschaften auszubauen, sei nicht mit der Uni Kiel abgestimmt gewesen, erklärte der Kieler Uni-Präsident dagegen. Die Ministerin habe den bisherigen Konsens aufgekündigt.

Fouquet hielt auch der Uni Flensburg einen Vertrauensbruch vor wegen fehlender Informationen. Als Konsequenz lege die Universität Kiel bis auf weiteres die Umsetzung eines Praxissemesters und einen gemeinsamen Antrag mit der Universität Flensburg für das Bund-Länder-Programm „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ auf Eis.

Wende will an der Universität Flensburg künftig in mindestens 13 Fächern ein Studium für die Sekundarstufe II (Klasse elf bis 13) anbieten „Über diese Planungen waren wir nicht informiert“, kritisierte Fouquet. Bislang sei immer die Rede von sieben Fächern gewesen, eventuell etwas mehr. „Eine solche Größenordnung aber werten wir als Versuch, die Existenzfähigkeit unserer Volluniversität auszuhöhlen“, so Fouquet weiter.

Der Vorstoß der Ministerin entspreche in keiner Weise dem, was im vergangenen Herbst in einem gemeinsamen Eckpunktepapier von Universitäten und Ministerium vereinbart worden war. Dabei sei die Uni Kiel der Ministerin und der Universität Flensburg in der Frage der Lehrkräftebildung in vielen Gesprächen bereits sehr entgegen gekommen. „Die Ministerin kündigt diesen Konsens jetzt auf. Offenbar ist auf dem politischen Parkett kein Platz mehr für eine sachgerechte Auseinandersetzung“, beklagte der Präsident.

Enttäuscht zeigte sich der Historiker insbesondere über die Art und Weise, wie mit „der größten und forschungsstärksten Universität des Landes“ umgegangen werde: „Man rechnet ja mit vielem, aber dies ist schon eine besondere Dimension.“ Der nicht abgestimmte Vorstoß erschüttere zudem das Vertrauen der Universität in die Ministerin und die Universität Flensburg tief: „Flensburg hat sicher an diesen Ideen mitgeschrieben. Da hätten wir mehr Kollegialität und Offenheit erwartet.“ 

Das Lehramtsstudium in Schleswig-Holstein wird vom kommenden Wintersemester an neu aufgestellt. Künftig können sich Studierende zu reinen Grundschullehrern oder zu Sekundarlehrern ausbilden lassen, die sowohl an Gymnasien als auch Gemeinschaftschulen die Klassen 5 bis 13 unterrichten können. Wende (parteilos) hatte bei der Vorstellung des Gesetzentwurfs betont, die Ausbildung im Sekundarbereich solle sich am hohen Niveau der Gymnasiallehrer orientieren.

In der kommenden Woche wird der Gesetzentwurf in erster Lesung im Landtag beraten. Das Gesetz soll im August in Kraft treten. Zum Wintersemester 2014/15 soll die neue Lehrkräftebildung starten.

Gewinner der Reform ist die Uni Flensburg. Die frühere Pädagogische Hochschule bildet bisher nur Lehrer für die Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10) aus. In den nächsten Jahren sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um 13 Fächer für das Sekundarlehramt studieren zu können. Einige Fächer wie Französisch, Latein, Theologie und Griechisch werden künftig nur in Kiel angeboten.

Die Bildungsgewerkschaft GEW lobte den Entwurf, kritisierte aber die die bisher ungeklärte künftige Lehrerbesoldung. SPD und Grüne äußerten sich im Prinzip positiv. Kritik kam von CDU und FDP. Die Bildungsministerin erreiche höchstmögliches Niveau nur in der Gleichmacherei, sagte der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Daniel Günther. Ziel der Regierungsparteien sei ganz klar die eine Schule für alle. Auch die FDP im Landtag befürchtet die Abschaffung des Gymnasiums durch die Hintertür.

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