Kommentar zum zurückgezogenen Insolvenzplan : Kieler Augenarzt Uthoff: Die Reichen fallen weich

Uthoff ist ein Meister darin, seinen Gläubigern mit List und Tücke zu begegnen. Ein Kommentar von Margret Kiosz.

Margret Kiosz von
04. Mai 2015, 20:10 Uhr

Die Stadt Kiel hat verloren: Millionen von Euros und eine Oberbürgermeisterin. Seit Montag führt der Pleitier, Lebemann und Augenarzt Detlef Uthoff das nächste Opfer am Nasenring durch die Arena.

Langsam dämmert es selbst den schärfsten Kritikern der gestürzten Susanne Gaschke, dass diese mit ihrem Uthoff-Deal so schlecht doch nicht lag. Sie hatte offenbar erkannt, dass der Mann, der jetzt mit dem Rückzug des Insolvenzplans ihren Nachfolger Ulf Kämpfer desavouiert, immer wieder aus dem Geschirr läuft.

Gaschke handelte damals zwar rechtswidrig, als sie sich auf den Deal mit dem Steuerschuldner einließ, aber sie nutzte die Gunst der Stunde und machte den Sack zu, bevor ihr Uthoff wieder vom Tisch sprang. Die Zahlung von 4,1 Millionen Euro handelte sie aus – statt jetzt vielleicht 1,5 Millionen oder gar nichts. Uthoff ist ein Meister darin, seinen Gläubigern mit List und Tücke zu begegnen.

Wohl wissend, dass er seine Schäfchen längst ins Trockene gebracht hat und sein Geld auf den Konten von Frau, Kindern und Freunden liegt, sprengt er jetzt auch noch das Soft-Insolvenzverfahren und lässt es auf eine reguläre Insolvenz ankommen. Was kann ihm dabei schon passieren? Gar nichts. Sechs Jahre Wohlverhalten blühen ihm im Restschuldverfahren. In der Zeit werden ihm alle Einnahmen weggepfändet. Doch das wird der Augenarzt mit links absitzen.

Vergleichbare Fälle zeigen, dass Reiche weich fallen und sie die Zeit auf Kosten der wohlbetuchten Ehegefährten bestens überstehen.

Was bleibt? Ein schaler Nachgeschmack, weil man die Kleinen hängt und sich die Reichen mit Hilfe teurer Winkeladvokaten davonmachen können. Im Fall des Bertelsmann-Managers Middelhoff blitzte kurzfristig die Hoffnung auf, dass zumindest der Fiskus keinen Unterschied macht und durchgreift.

In Schleswig-Holstein hat er das nicht getan, sonst wäre uns die Dauer-Posse Uthoff erspart geblieben und der neue Kieler Oberbürgermeister liefe jetzt nicht mit einem blauen Auge herum. Er holte sich brav grünes Licht im Rat, um dem Insolvenzplan zuzustimmen – doch den gibt es jetzt nicht mehr.

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